Journey...Alles-und-Nichts

Lerntagebuch02

, 16:46pm

 

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Ein Projekt aus dem Psychologie-/ Pädagogikunterricht. Hier halte ich meine Gedanken zum Unterricht und anderen Themen, die mir spontan dazu einfallen, fest.

 


 

 

Dienstag, 3. november 2009

Das Pädagogikbuch, die Erziehung, der Fernseher, der Widerspruch und ich…

 

Ich weiß nicht so recht, ob es einer Schülerin gestattet ist, ihrem Lehrbuch zu widersprechen. Aber da mein Pädagogikbuch bisher immer ganz okay war und alles Darinstehende für mich nachvollziehbar war und mich immer schön zum Nachdenken über mein Leben gebracht hat, werde ich nun einmal revidieren. Und zwar über die Medien in der Erziehung. Ein herrliches Thema, wo ich doch das Fernsehen und die Suggestion so liebe...

 

Mit Sicherheit bringen die Medien den Kids vieles näher, genau so wie sie den Erwachsenen vieles näher bringen können. Aber bei einem Kind, das zum ersten Mal Gewalt im Fernsehen sieht (und das wird es irgendwann) muss sich doch etwas Psychisches im Gehirn festsetzten! Es mag vielleicht denken, dass das toll ist. Eben die Realität. Und es wird sich genau so benehmen wie seine Fernsehhelden. Das setzt sich wohl oder übel im Kopf fest...

Und deswegen streiten sich auch die zwei Jungs - ich nehme einmal an, es sind Fünftklässler - über Counterstrike und GTA im Bus und beschimpfen Peter Maffay als etwas, das ich zum Glück nicht mehr weiß. Und deswegen streiten sie sich auch darüber, bei welchen Beleidigungen gegenüber Polizisten man mehr Kohle blechen muss…traurig, diese Gesellschaft! Ausnahme? Wohl kaum...

Mal ganz ehrlich: Die meisten Eltern haben doch irgendwann den Punkt erreicht, an dem sie ihr Kind vor dem Fernseher parken, damit sie auch mal eine Sekunde Ruhe haben. Dass Kinder anstrengend sind, wird wohl jedem bekannt sein. Viel Arbeit, viel Geld, viel Zeit. Aber das hätte man sich auch vorher überlegen können. Denn mit schlechten Sendungen fördern diese Eltern die noch schlechtere Gesellschaft... Ein vermutlich unbewusster Teufelskreis.

Wie war das eigentlich bei mir früher? Sicherlich habe ich Pokémon, Sailor Moon und das ganze Zeug gesehen, aber Tabaluga, Tom&Jerry, Calimero und die ganzen frühen Comichelden würde ich auch nie vergessen. Und was läuft heute für Kinder im TV? Teletubbies und irgendwelches ins Lächerliche gezogenes, was schon an Beleidigung gegenüber dem menschlichen Verstand grenzt. Und damit meine ich nicht nur die Kinderserien. Von den Sendungen für „Erwachsene“ will ich gar nicht erst anfangen, sonst werde ich mich wieder einen ganzen Blogeintrag lang darüber echauffieren.

Ich werde meinem Kind mit sechs sicherlich nicht die Tageszeitung aufs Auge drücken, aber ein bisschen Wissensförderung in jungen Jahren wird doch wohl noch gestattet sein. Mist kann es nebenher immer noch Fehler machen und daraus lernen.

 

Ich behaupte jedenfalls, dass Medien in der Erziehung nicht unbedingt sein müssen. Da würde ich meinem Kind wenn überhaupt lieber die Medien in Form von Büchern vorlesen und vielleicht noch etwas anderes in die Hand drücken. Aber kein Gesellschaftsspiel. Irgendetwas zum selbst beschäftigen, da es das auch lernen muss. Später ist man jedenfalls auf sich alleine gestellt und muss so oder so einsehen, dass alle auch zu zweit alleine sind…

 

Aus dem Unterricht gestern habe ich außerdem noch entnommen, dass es Stolpersteine in der Erziehung gibt. Und ich denke der größte davon ist das Umfeld vor der Haustür. Mit Sicherheit kann kein Kind erzogen werden, wenn es von anderen Menschen und der bösen grausamen Welt da draußen isoliert wird. Denn das ist nun mal Leben und die "grausame Welt" eine Tatsache. Und da Kinder naiv und neugierig sind, rennen sie auch zu strangen Männern mit Bonbons...nur, was ist gut und was ist böse? Und wie bringt man das einem kleinen Kind bei, dass noch nichts von Vergewaltigung, Mord, Terrorismus und Steuern weiß? Wie bringt man einem Kind das alles langsam und schonend bei? Womöglich auch noch so, dass es das auch versteht und es überhaupt ankommt...

Aber ich verstehe das Leben doch selbst nicht. Wie könnte ich ein Kind mit meinem philosophisch-relativen Denken etwas beibringen? Ich traue mich gar nicht einmal mit Kindern zu reden...da mache ich dann nur was kaputt und verwirre es...

 

Fragt sich nur, wie man dann die "goldene Mitte" zwischen schlechten Nachrichten und dem "Leben“ vermitteln soll. Natürlich soll ein Kind Spaß haben und von mir aus auch eine Playstation besitzen. Aber es soll auch wissen, dass die Welt nicht immer so schön farbig wie bei den Sims auf der Konsole ist.

 

Ich muss mir wohl abgewöhnen mir täglich zu sagen, dass ich keine Kinder will. Denn in Pädagogik muss ich mich in mehrere Lagen hineinversetzten. Aber trotz allem würde ich mein Kind nie angemessen dieser Gesellschaft erziehen, sondern immer anstreben, dass es selbstständig denkt und es somit merkt, dass es sich nicht anpassen muss. Mag sein, dass es dadurch so wird wie ich. Dass es mehr denken als leben wird. Aber immerhin würde es etwas bekommen, was ich nur unzulänglich bekommen habe. Und zwar Verständnis. Weil ich selbst weiß wie das ist, wenn man irgendwann aufgibt mit den Leuten zu reden. Wenn man sich irgendwann schwört, dass man nichts mehr über sich preisgeben wird, da man sowieso nur gesagt bekommt, dass alles nur Einbildung oder Quatsch ist. Aber am schlimmsten ist es, wenn sie sich nicht einmal die Mühe machen überhaupt etwas zu sagen.

Und das werde ich meinem (momentan imaginären) Kind ersparen.

 

 

Das ganze Thema „Kinder zum Nachdenken erziehen“ erinnert mich nun merkwürdigerweise an die Mutter von Marcus aus dem Buch „About a boy“ von Nick Hornby. Sie hat auch immer versucht ihr Kind von allen bösen Markensachen, Anpassung und den ganzen gesellschaftlichen Normalitäten zu retten. Nun gut, sie war sehr depressiv und wollte am liebsten tot sein… Die Welt war einfach nur schlecht für sie... Und das übertrug sie sozusagen auf Marcus. Er verlor somit immer  in langen Diskussionen und die Mutter behielt so lange recht, bis Markus lernte, wie man gegenargumentiert. Ein interessantes Buch mit viel Interpretationsspielraum…

Ich kann mir schon denken, dass die Mutter ihrem Sohn sogar sehr gerne ein Leben und Spaß mitgegeben hätte. Aber da sie sich selbst so ein Leben nicht vorstellen konnte, ging das natürlich nicht. Genauso wenig kann man Liebe weitergeben ohne sie selbst bekommen zu haben. Das hört sich extrem an, ist aber meine Meinung. Und die darf ich hier zum Glück äußern. In schriftlicher Form fällt mir das aber auch leichter als mündlich im Unterricht…

 

 

 

 

Montag, 9. november 2009

Was ist schon empirisch!? Und: Pro Individuum!

 

Das Wörtchen "empirisch" habe ich das erste Mal in einem Hörbuch gehört und es hat mir sofort gut gefallen, da ich Fremdwörter mag und auch oft benutze.

 

Empirisch habe ich bis jetzt allerdings erst zwei Mal in meinem anderen Blog verwendet. Und beide Male - aus welchem Grund auch immer - in folgendem Zusammenhang: Das Leben ist nicht empirisch.

Eigenartig, dass ich diese Aussage im Zusammenhang mit dem Leben gemacht habe. Das ist auch schon eine Weile her...aber ich glaube, ich weiß ungefähr, was ich damals damit gemeint haben muss. Ich führe ja ein Tagebuch, was ich immer wieder gerne zur Hand nehme.

Damals jedenfalls ist sozusagen meine Welt im Ungleichgewicht gewesen und ich habe alles negativ gesehen. Also werde ich das Leben als etwas Unberechenbares gesehen haben, das sich auch wissenschaftlich nicht festlegen lässt und für das es kein Rezept gibt. Naja, Leben ist relativ. Besonders aus psychologischer Sicht.... Man kann ja Leben und eigentlich tot sein…aber davon ein anderes Mal….

 

Wie auch immer, „empirisch“ fiel heute im Pädagogik-Unterricht im Zusammenhang mit qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, beruhend auf "empirischem Wissen".

Als Beispiel für eine quantitative Forschungsmethode hatten wir hierbei einen Test: 50 Kinder sehen Gewalt im Fernsehen, 50 sehen sich die Sendung mit der Maus an. Wer wendet (in Zahlen gesehen) am Ende mehr Gewalt an? Das Ziel dieser Art von Datenerhebung ist ein messbares Ergebnis mit möglichst vielen Leuten. Allerdings kann das auch ziemlich daneben gehen und verfälscht werden. In Gemeinschaftskunde zum Beispiel werten wir gerade Diagramme aus. Und je nach dem wie es gezeichnet ist, kommt ein anderes Bild zustande. Alles Technik... Und wenn es in einer Werbung heißt, dass doppelt so viele Frauen mit dem Produkt zufrieden sind, so hat man eben vier befragt und zwei gefällt’s, während es vorher nur eine war. Eine Steigerung um 100 %. Wow!

Diese Experimente verändern die "Wirklichkeit" in hohem Maße. Bzw. es wird uns mal wieder etwas suggeriert, bei dem wir eigentlich gar nicht mitgeredet haben und nun denken, dass das was da steht oder was wir sehen, richtig ist. Muss ja so sein, sonst käm’s ja nicht im TV.

Darum mag ich auch so dunkle Themen wie Alkoholismus, Depressionen und Suizid. Da kann nämlich keiner etwas festlegen, weil keiner in den Kopf der anderen sehen kann, die Dunkelziffer viel höher ist und über Suizid nicht viel gesprochen wird. Ein Tabuthema. Eigentlich auch schade…das macht die Unterdrückung der Seele nämlich auch nicht geringer.

 

Bei qualitativen Wissenschaften allerdings wird es erst richtig interessant. Denn das ist auch eher das, was ich mache. Die Menschen einzeln befragen, mir ihre Lebensgeschichten anhören und mich nicht auf irgendwelches "empirisch-wissenschaftliches" Wissen berufen, das im Grunde genommen fast nur verzerrt.

Ich habe momentan sowieso meinen Narren an den Medien und der Unterhaltung im Fernsehen gefressen, wie man so schön sagt. Und wären die Menschen wirklich so doof, wie man es im Fernsehen sehen kann, so wäre das ganze ziemlich traurig und der Untergang der Kultur und des Individuums nicht sehr weit entfernt. Wenn man ein Jahr kein Fern mehr sieht, fällt das einem erst wirklich auf. Immerhin ist mein Kopf frei von solchem Müll und das lässt mich klarer denken. Meiner Meinung zumindest nach. Wenn Schillerstraße und GZSZ für andere DAS Leben widerspiegelt, dann muss man sich wirklich über die Einseitigkeit in den Köpfen der Menschen Gedanken machen. Haben diese Personen kein Leben? Wissen sie nicht, dass sie auch gewissermaßen Schauspieler sind?

Ich habe ja noch die Hoffnung, dass zumindest ein paar Menschen wirklich nachdenken und nicht so blöd sind. Und wäre diese Hoffnung - egal bei wem - verloren, so wären wir es alle auch. Dann würden alle mit dem Strom schwimmen. Beziehungen befürworten, bei denen der Kerl alles tut, von Stuttgart nach Berlin trampt nur um seiner Angebeteten Rosen zu übergeben, weil er ja so ein Idiot gewesen sei. Und genau diese Frauen sind dann sauer auf ihren armen Kerl, weil er das nicht macht. Fernsehen zeugt mehr Schein-Wirklichkeit und Leid als Realität. Und das sollte irgendjemand einmal ändern...oder zumindest einsehen. Realität ist etwas anderes. Realität ist eine Dokumentation. Oder die Nachrichten. Dinge, die man wissen sollte und nicht irgendein Schwachsinn ohne Funken Menschlichkeit.

 

Jedenfalls, zu den zusammenhängenden Geschichten, bzw. dem Qualitativen: Ich finde, dass das eine viel besser Lösung ist, als irgendwelche Statistiken. Bei richtigen Zahlen, Einwohnerzahlen oder sonst irgendwas kann ich das ja verstehen. Aber bei Befragungen finde ich es viel interessanter ein Interview in der Zeitung zu lesen oder zumindest eine Befragung, bei der einzelne Leute kurz zu etwas Stellung nehmen. Aber eine Grafik mit einem Laschen Text sagt nicht viel Wissenswertes aus. Sagt die Meinung an sich von jedem einzelnen Individuum nicht aus.

 

„Revolution!“ wie es meine Freunde mit Herz und Verstand nennen. Kampf gegen die Masse. Pro Individuum!

 

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Kommentare


Der Begriff des Empirischen ist nicht allein für die Wissenschaft reserviert, sondern meint in seiner allgemeinen Bedeutung 'Erfahrung'. Die Zuordnung zu statistischen Verfahren ist deshalb nicht ganz richtig, denn qualitative Forschung nimmt in denmeisten Fällen eine (beobachtete, erfragte etc) Erfahrung als Ausgangspunkt der Forschung, um sie dann qualitativ auszuwerten. Meine Meinung: das Leben ist empirisch (wenn man empirirsch in seiner allgemeinen Bedeutung liest und nicht wissenschaftlich normiert). Leben lässt sich empirisch wissenschaftlich beschreiben, aber vor allem heißt Leben Erfahrungen machen und daraus lernen - oder auch nicht.

Kommentarnr1 gepostet von MS am 12.11.2009 um 20h10

 

Ich denke allerdings, dass Erfahrung relativ ist. Es gibt nicht DIE Erfahrung oder ein Rezept für DAS Leben. Denn die Erfahrungen im Leben untereinander lassen sich nicht vergleichen. Ein Arbeitsloser kann zum Beispiel mehr erlebt haben als ein Manager. Daher kann das Leben auch nicht empirisch sein, weil so oder so jeder etwas anderes erlebt. Leben ist nicht festgelegt. Es steht jedem frei, was er damit macht. Wo das letztendlich endet weiß man nicht. Der Manager kann ja schließlich auch arbeitslos werden.

Aber (!) das Leben kann vielleicht in dem Zusammenhang empirisch sein, wenn man auf das, was man bereits erlebt/gehört hat und nachvollziehen kann, zurückgreifen kann und das auch macht. Wir machen ja normalerweise auch nicht immer die selben Fehler und fassen permanent die heiße Herdplatte an.

Je nach dem aus welchem Blickwinkel man es betrachtet kann es also empirisch sein oder auch nicht.

Antwort von Journey am 14.11.2009 um 10h03

 

Erfahrung ist relativ: ja, sehe ich auch so. Und genau deshalb ist aus meiner Sicht das Leben eines jeden Einzelnen empirisch im Sinne von Erfahrung(en) machen. Damit meine ich nicht eine (!) genormte Erfahrung (wie auch immer man sich das vorstellen mag), sondern eben 'Erfahrungen machen' generell oder an sich.

Wäre das Leben nicht empirisch, und ich lasse mal offen, was es darüber hinaus/daneben/darunter/ dazwischen etc. (?) noch sein kann, dann wäre es nicht möglich, auch nur einen Satz zu schreiben, geschweige denn zu denken - es sei denn, man argumentiert mit einer extremen Position des Rationalismus.

Kommentarnr2 gepostet von MS am 16.11.2009 um 18h42

 

 

 

 

Mittwoch, 11. november 2009

Brainstorming Suizid

 

Eigentlich wollte ich mal einen längeren Text über Selbstmord schreiben. Eigentlich schiebe ich das auch immer vor mir her. Und eigentlich wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt für ein Brainstorming. Später kann ich dann auf mein Gedankengut wieder zurückgreifen. Und da mein Lehrer den Selbstmord von Robert Enke erwähnt hat, über den ich mir schon seit heute morgen um halb sechs Gedanken mache, schreibe ich auch ein paar Zeilen und meine Gedanken zum Thema Selbstmord. Etwas unzusammenhängend, aber die Formulierungen werden reichen.

 

Ich versuche mich nicht zu echauffieren...

Früher war es auch nur Trauer von der Gesellschaft mehr oder weniger "unterdrückt" zu werden. Heute ist es einfach nur Wut, Hass und ein starker Wille, dass sich etwas ändert…

 

Ich habe vor ein paar Jahren zu dem Buch "A long way down" von Nick Hornby ein Referat gehalten. Dazu sollten wir noch ein spezielles Thema herausarbeiten und Suizid erschien mir am passendsten. Außerdem ist das ein sehr interessantes Thema.

Ich habe mich damals noch leicht aufgeregt, weil Suizid in den Medien zensiert wird und auch sonst keiner wirklich recherchieren mag, wie es eigentlich dazu kommt. Aber heute kann ich mir die Gründe dafür denken und kann selbstverständlich nachvollziehen, dass die Ergründung dieses Themas die Komplexität des Fernsehens weit überschreiten würde.

 

Alle erforschen irgendeinen langlebigen Mist, aber warum sich ein Individuum, EIN Mensch (nicht die Masse natürlich) umbringt, interessiert keinen, will keiner hören. Der Tod geht an einem vorbei, tragisch, tralala, man trauert und gut is. Keiner will darüber nachdenken. Keiner hat Schuld.

Ich will nicht behaupten, dass jeder einzelne Schuld hat, wenn einer vor den Zug springt. Aber alle zusammen, als Masse, als Gesellschaft, haben wir sogar sehr wohl Schuld.

Denn Gesellschaft ist Masse.

Masse zwingt zu Anpassung.

Anpassung ist Unterdrückung.

Unterdrückung ist Leid.

Leid wird zu Depression.

Depression führt (nicht immer, aber immer öfter) zum Tod. Freitod. Selbstmord. Suizid.

 

Ich sehe die Gesellschaft mit ihren Medien und Trends und diesem und jenem als einen der ausschlaggebenden Faktoren für einen Suizid. Nicht unbedingt als einzigen, aber als einen sehr großen.

Liebe führt auch zu Tod, das weiß ich aus eigener Erfahrung und von jemandem, der mit Leid und Liebe im Herzen vor den Zug gesprungen ist. Jemand, der 23 lang nur verarscht worden ist, wie man so schön sagt. Jemand ohne wirklichen Halt zu Eltern. Jemand, der sich verliebt hat und dessen Partner sie wie Dreck behandelt hat. Männer sollten sich lieber zweimal überlegen, ob sie fremdgehen und mit der halben Kleinstadt vögeln. Das nur am Rande und unzensiert. Und ja, stellt euch vor! Man[n] kann auch alleine in dieser Welt überleben.

[Aber wenn ich mich jetzt auch noch über den Sinn von Beziehungen echauffiere, komme ich ganz durcheinander…]

 

Warum können labile Menschen, Menschen mit Herz und Gefühl, Menschen, die nachdenken, nicht überleben? Warum ist es so schwer hier zu leben?

Weil alles monoton wird. Alles gleich. Nichts mehr Freude macht und man keinem mehr vertrauen kann. Weil man im Grunde genommen alleine ist. Im Nichts. Und weil man, egal wo hin man sieht, einsehen muss, dass es nicht so sein sollte. Gezwungen glücklich zu sein. Gezwungen glücklich sein. Und genau da fängt das komplizierte an Depressionen und Suizid an. Wenn einer nichts sagt, weil ihn sowieso keiner verstehen wird. Wenn einer wirklich Hilfe braucht und nichts sagt…nichts tut…dann kann es nur ein kleiner Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Kurzschlussreaktion und weg. Sieht keiner. Merkt keiner. Redet keiner drüber.

 

Selbstverständlich bilden Berühmtheiten keine Ausnahme. Es steht groß in Zeitungen, wird tausendmal im Radio gesagt, Pressekonferenzen finden statt, aber keinen vermag es das Gefühl zu haben, dahinter zu blicken. Ich bin nur mal gespannt, ob man als normal sterblicher Auszüge aus dem Abschiedsbrief von Robert Enke zu sehen bekommt…wahrscheinlich eher nicht.

 

Ich befürworte natürlich nicht den Suizid. Ich kann nur einiges nachvollziehen. In den letzten Monaten, Jahren habe ich einiges darüber gelernt ohne auch wirklich je darüber nachgedacht zu haben. Leid ist nun einmal Muse für uns "Künstler".

Und genau dieses Leid macht das Leben aus. Im Nichts überleben. Sich durchkämpfen. Sich einfach in den Kopf brennen, dass es nur sich selbst gibt. Sich von jeglichen Vorgaben fürs Leben zu distanzieren. Das ist schwer. Verdammt schwer sogar, wenn einem andere auf der anderen Seite des Ozeans erschienen. Wenn man sich jeden Tag ermahnen muss, sein Ziel zu verfolgen. Und eine Depression ist etwas, das einen so dermaßen unbeschreiblich runterzieht und ich weiß von mir selbst, dass es nicht leicht ist das zu bewältigen…und es ist wie beim Murphy…ein negatives Stichwort und alles bricht wieder zusammen.

 

Ich selbst stelle mir das Leben gerne mal wie eine  kaputte Vase vor, die man zusammenkleben muss. Und nach jedem Schicksalsschlag darf man sie noch mal kleben. Und wieder, wieder, wieder,... Ich frage mich nur, wann sie endlich mal ganz sein wird…

 

 

 

 

Freitag, 20. november 2009 5 20 /11 /2009 19:24

The Wall and my mind

 

Ich kombiniere jetzt einmal mein Wissen aus dem Unterricht und die These meines guten Freundes Kai, der früher, als ich noch mehr mit ihm unterwegs war, immer gesagt hat, dass man im Leben manchmal vor einer Wand stehe. Und es sei daher ratsam, einfach einmal einen Schritt zurück zu gehen und sich die Sache aus einem anderen Blickwinkel anzusehen. Eigentlich genial und ich denke seither fast immer so. Ich entscheide selten impulsiv, sondern argumentiere mit mir selbst. Gegen mich. Und nur einen Standpunkt zu haben wäre ja langweilig. Letztendlich muss ich mich zwar entscheiden, aber immerhin habe ich davor nachgedacht.

Ich melde mich auch nie im Unterricht. Das ist mir zu spontan. Und schreiben kann ich wohl besser als reden…

 

Jedenfalls gibt es laut meinem Pädagogikbuch* - bzw. laut dem Unterricht - die Theorie, dass der Mensch niemals die gesamte Psyche/Intelligenz erfassen kann. Dazu müsste es einen Außenstehenden geben. Allerdings glaube ich, dass dieser auch ein Weltbild in sich tragen muss. Marsmännchen werden auch irgendwie leben und eine Kultur haben, oder? Sie können ja nicht nur existieren und umherschweben.

Bedeutet das prinzipiell gesehen, dass es also nie eine Antwort auf die Frage nach richtig und falsch geben wird? Weil es nichts geben kann, das es besser wissen kann als wir?

 

Ich denke, man kann das auch auf die menschliche Psyche übertragen. Nur eben in einem anderen Zusammenhang. Die Psyche kann man nicht erfassen, die Welt nicht hundertprozentig verstehen.

Die Psyche scheint ein Produkt dessen zu sein, was und wie wir etwas erlebt haben, was wir denken und vielleicht auch hinterfragen. Unsere Ängste. Unser Leid. Das lässt sich nicht alles korrekt und wissenschaftlich beschreiben. Das ist einfach zu komplex.

Den einen kränkt es zum Beispiel, wenn man zu ihm „Verpiss dich“ sagt und er macht sich Gedanken und sich selbst damit runter. Fühlt sich missverstanden und dumm. Der andere sagt vielleicht „Verpiss du dich doch!“ und beschließt sich nicht weiter mit dieser Person auseinanderzusetzen. Auch, wenn er im Nachhinein noch ein wenig darüber nachdenket. Aber es zieht ihn nicht runter. Und wieder ein anderer haut dieser Person eins auf die Fresse, wie man so schön sagt. Und wie soll man das in EINE Psyche einbinden? Es gibt nun mal den Menschen und das einzige, was jeder dieser Menschen auf der Welt gemeinsam hat ist die Welt, die wir nicht verstehen. Psychisch gesehen gibt es zwar Parallelen in gewissen Dingen, aber es gibt keinen Mensch 1:1 wie einen anderen. Es gibt keine Schablone für den perfekten Menschen. Es ist unvorstellbar die menschliche Psyche zu beschreiben. Denn jeder hat andere Dinge erlebt, die ihn jeweils anders geprägt haben.

Man kann zwar durch einen Psychologen erforschen, woher Dieses und Jenes kommt, aber letztendlich macht es das auch nicht besser. Man hat dem Leid zwar einen Namen gegeben, aber letztendlich ist es damit nicht aus der Welt geschaffen und wird weiterhin nagen und plagen und sich aufs zukünftige Leben auswirken. Depressionen kann man doch auch nicht vollständig heilen, oder? Man kann sie mit Medikamenten besser machen. Still legen. Und der Psychologe mag zwar einem zuhören, was jeder Mensch so sehr braucht, aber das Grundproblem lässt sich nicht lösen.

 

 

*versteht mich nicht falsch, ich mag mein Pädagogikbuch, aber trotzdem suche ich immer einen Haken, auf dem ich rumhacken kann. Irgendetwas muss man ja schreiben. Und ich mag Bücher, aber wenn man nur nach ihnen geht, ist das auch nicht so berauschend. Das kann man in Mathematik machen. Da gibt es Formeln. Und diese treffen auf alles zu. Aber die Wissenschaft des Geistes ist da schon etwas anders. Und es macht es um einiges interessanter als Mathe. Formeln anwenden ist zur Abwechslung aber auch gar nicht so schlecht.

Aber was ich nicht mag - auch bei Mathe nicht - ist blind irgendetwas lernen und sich nicht darüber Gedanken zu machen. Denn lernen und anwenden sind unterschiedlich. Man muss verstehen, warum man da jetzt Sinus nimmt und nicht Kosinus. Ansonsten kann man die Formeln und Dreiecke in die Tonne werfen und sich schon mal überlegen, was man gut kann und womit man den Unterkurs in Mathematik ausgleichen kann.

 

 

 

 

Donnerstag, 26. november 2009 4 26 /11 /2009 22:18

Bin ich depressiv?

 

Das ist eine gute Frage. Ist man depressiv, wenn man sich ins Fleisch schneidet, um den seelischen Schmerz nicht mehr zu spüren? Oder ist man depressiv, wenn man sogar versucht sich das Leben zu nehmen? Ist man depressiv, nur weil man keine Lust auf Sex hat? Ab wann beginnt denn eine Depression? Und wie kann jemand, der keine Ahnung von den Symptomen hat und sich gar nicht darüber Gedanken macht, merken, dass er depressiv ist?

Ich habe mir noch einmal den Test aus dem Unterricht angesehen und spontan bewertet. Einfach nur um zu sehen, was so dabei herauskommt. Meinem Gegenüber würde ich auch nicht gerade von den Punkten drei und vierzehn erzählen. Jedenfalls habe ich laut Wikipedia eine schwere Depression mit über 25 Punkten.

Komisch. Ich stimme dem Test voll und ganz zu. Aber wenn ich an früher denke, dann wäre der noch schlechter ausgefallen, in sofern mache ich Fortschritte.

Ich bin allerdings nach wie vor ein Mensch, der zum Nachdenken neigt, was anscheinend ungesund sein soll.

 

Depressionen sind ein ziemlich interessantes Thema. Genauso wie die Medien, der Sinn vom Leben und dass so gut wie alles relativ ist.

Ich freue mich richtig auf mein Referat, das ich über Depressionen und Suizid halten werde. Eine halbe Stunde fülle ich da locker mit dem, was ich bis jetzt habe. Und das sind nur Eigenerfahrung, drei Zeitungsartikel, und noch ein älteres Referat von mir.

Ich könnte locker 20 Seiten schreiben oder sogar mehr. Das Problem wird nur das Vortragen…

 

Depressionen sieht man den Menschen jedenfalls nicht auf Anhieb an. Sie können unter uns sein, neben uns an der Theke sitzen und wie jeden Abend ihr Feierabendbier trinken und am nächsten Tag sind sie weg. Haben einfach so ihre unsichtbaren Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen und werden sich nie mehr materialisieren. Man wird nie wieder ein Wort mit ihnen wechseln können.

Aber wie kann es soweit kommen? Was macht letztendlich einen Menschen depressiv? Und was treibt einem zum Selbstmord? Ist es die Kindheit? Die Jugend? Die Suggestion und Zerstörung eines Menschenbildes? Die Liebe? Die Sinnlosigkeit im Leben? Das Gefühl einfach nichts wert zu sein und dass sich keiner darum scheren würde, wenn man weg wäre?

Für jeden verläuft die Kindheit unterschiedlich. Ich kann nur von mir aus sprechen und von dem, was ich gesehen habe. Und was ich gesehen habe waren glückliche Familien. Kaputte Familien. Und keine Familien. Auseinadergelebte Familien. Familien, die nach außen perfekt erschienen und im Inneren kaputter waren als alle anderen. Und Familien in denen man nicht redet. Über nichts.

 

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich das erste und letzte Mal zu meiner Mutter gegangen bin und sie um Rat gefragt habe. Ich habe sie gefragt, wie das eigentlich funktioniert, wenn man in Therapie will. Sie hat mich regelrecht verspottet und gemeint, ich sei nicht normal und Depressionen wären nur Einbildung. Ich habe nie wieder ein Wort darüber verloren. Irgendwann habe ich das dann selbst in die Hand genommen. Ich wollte es einmal ausprobieren. Als ich in meiner ersten Sitzung anfing von meinem Leben zu erzählen, meinte meine Psychologin jedoch, sie wüsste sich da keinen Rat und sah mich an wie ein Phänomen. Wie der Rest der Welt… Ich bin allerdings noch ein zweites Mal hingegangen und danach nie wieder. Ich hatte auch keine Lust Monate zu warten, bis mich irgendein Psychologe einmal drannimmt und dann erneut Monate, weil ich zu dem kein Vertrauen aufbauen kann und dann noch mal und noch mal und noch mal…

Bei einer stand ich vor der Tür und sie sah mich mit finsterem geradezu durchdringenden Blick an, sah, dass ich jung war und wahrscheinlich nur so Beziehungsstress-Probleme hatte und meinte, sie habe keinen Platz. Dann schloss sie die Tür und ich beschloss mich selbst zu therapieren. Da war ich mit Sicherheit besser dran. Und das schlimmste habe ich ja überstanden. Auch, wenn ich immer noch negativ eingestellt bin.

Mein Vertrauen zu Menschen ist komischerweise trotz meiner Vergangenheit mit einer verständnislosen Mutter, die mich paradoxerweise aber trotzdem lieb hat und einem Vater, der nie zu Hause ist, eigentlich nicht so weitreichend bestückt wie bei Inzest, Drogen und Mord. Dafür aber auch nicht weniger einfach.

Ich frage mich auch manchmal, ob mir heute alles egal ist oder ob ich das, was war, nur zu verdrängen versuche.

Ich kenne jedenfalls viele unterschiedliche Menschen. Ich kenne Sänger, Künstler, Waisenkinder, Menschen mit Borderline, Alkoholiker, Arbeitslose, Selbstmörder, Idioten, Schizophrene und ebenso Menschen, die in der Masse untergehen und froh darüber sind. Manchmal verstehe ich sie, diese Menschen, die immer glücklich sind. Aber es gibt nichts in ihrem Leben, was sich besonders von einem anderen abhebt. Freund/in, Kinder, Häusle bauen, alt werden, usw.… Ich frage mich, was mit diesen Optimisten geschehen würde, wenn auf einmal alles zusammenbrechen würde und ob diese Menschen dann stärker wären, als einer, der sich mit seinem seelisches Leid von den anderen unterscheidet. Mir sind Leute, die nachdenken und „unglücklich“ sind jedenfalls sympathischer. Das ist zumindest menschlich bis zu einem gewissen Grad. Sterben müssen wir jedenfalls sowieso alle mal.

Und ich frage mich auch, wie Psychologen eigentlich arbeiten und wie sie mit jemandem schwer depressiven umgehen. Das sollte ich noch herausfinden.

 

Über das, was mich bedrückt rede ich jedenfalls selten. Ich habe mir früher immer gedacht, dass es furchtbar sei, niemandem zum Reden zu haben und sich alleine zu fühlen. Heute habe ich gemerkt, dass es keinen Unterschied macht, da mir zwar die Leute zuhören, aber die Verzweiflung dahinter nicht wahrnehmen. Insofern ist man immer alleine. Ich kompensiere das hauptsächlich mit Schreiben, da mir nichts anderes Halt geben kann. Und wenn es auch eine vollkommen sinnfreie Endlosgeschichte mit schrägen Charakteren ist, die alle nichts mit mir zu tun haben, es hilft mir. Es bringt mich ins Gleichgewicht, wie andere Leute eine Beziehung ausfüllt. Oder ein Job. Oder Freunde. Oder Alkohol, Rauchen und Drogen.

 

 

 

 

Sonntag, 29. november 2009 7 29 /11 /2009 12:06

Forschung gegen eins

 

Der Unterricht in Pädagogik ist immer wieder interessant. Besonders, weil ich nebenher bereits blogge. Und während ich so blogge, eigentlich nicht wirklich zuhöre und meine Gedanken aufschreibe, sehe ich an die Tafel. Dann wieder auf mein Blatt. Wieder an die Tafel. Und ich bemerke, dass wir anscheinend gerade zu dem Schluss gekommen sind, was ich gerade schon „gebloggt“ habe. Irgendwie hat das zur Folge, dass ich alles doppelt und dreifach habe. Um schöne Schrift bemühe ich mich schön lange nicht mehr. Die spare ich mir für Wichtigeres auf. Dafür schreibe ich auf drei Blättern gleichzeitig und bin trotzdem noch schneller als die Leute neben mir. Und die sehen leicht irritiert auf mein Blatt, weil meine Schrift zu lesen eher ein Ratespiel, als lesen ist…

 Und am Ende bzw. vor der Klassenarbeit schreibe ich alles noch mal schön und geordnet zusammengefasst ab, sodass ich aus diesen Blättern dann lernen kann. Mal sehen, ob mir das diesmal eine bessere Note einbringt als letztes Mal.

 

 

Aber kommen wir zum heutigen Thema: Medien und Forschung

 

Seit kurzem stelle ich mir die immens wichtige Frage, ob es überhaupt eine Forschung gibt, die beweist, dass Fernsehen schlicht und einfach doof macht.

Mit Sicherheit gibt es einige, aber wenige, Bücher über die Verdummung der Gesellschaft und auch der Film Free Rainer befasst sich mit diesem Thema. Aber gibt es eine konkrete Forschung, die beweist, dass die Menschen immer eintöniger und gleicher werden? Gibt es eine Forschung, die beweist, dass es die Masse wirklich gibt und alle, Non-Konformisten, Schafe*, so wie Individualisten, darin untergehen?

Und was wäre eigentlich die Menschheit ohne Medien? Eine schöne und grauenhafte Vorstellung zugleich.

Das Grundproblem ist doch, dass es im Fernsehen alles gibt. Musik, Nachrichten, Soaps, Spielfilme, Ratesendungen, Comedy, Kabarett, Idioten die den halben Tag bei 9live vor der Kamera stehen und natürlich Sex (sells). Das ist für mich schon ein Grund, warum Kinder immer eintöniger erzogen werden. Gesellschaft, Anpassung. Und wenn schon die Eltern alles glauben, was im TV läuft, wie sollen dann die Kinder den richtigen Umgang mit Medien lernen?

 

Dennoch sind das alles nur Alltagstheorien von mir, nicht relevant, um sich darüber weiterhin Gedanken zu machen. Das ist mir egal. Denn Ohne Alltagstheorie gäbe es mit Sicherheit keine Ideen zu Forschungen. Alltagstheorien gehören zum Leben. Sonst hätte keiner eine Meinung.

Und ich merke, je mehr mein Lehrer die Forschung hochschreibt, desto mehr echauffiere ich mich. Forschung ist mit Sicherheit ein gutes Mittel für Argumente und um überhaupt einmal etwas festgelegt zu haben. In erster Linie denen diese Forschungen allerdings dem Laien. Denn dieser unterhält sich darüber und spekuliert mit anderen Laien (was wiederum zu Alltagstheorien führt).

 Die Minderheit stellen hierbei die Pädagogen dar, die durch ihr bereits angesammeltes Wissen über Pädagogik und Erziehungswissenschaft diese Forschungen zu deuten versuchen.

Eigentlich interessant.

 

Ich finde es nur eigenartig, dass Forscher ein Brett vor dem Kopf zu haben scheinen. Sie könnten so viel erreichen und stattdessen stürzen sie sich wie hungrige Aasgeier auf ein Kind, das aus dem Wald kommt und bei Tieren gelebt hat. Und ist alles geklärt, so ist es nicht weiter von Interesse, was mit dem Kind passiert. Aber die Verdummung der Menschheit und die sozialen und geistigen Unterschiede sind direkt vor ihrer Nase und könnten zum Lebenswerk werden, wenn man sich mal ernsthaft damit befasst. Aber nein, das könnte ja den pädagogisch wertvollen Rahmen sprengen um am Ende in sinnloser Philosophie enden…

 

So wagt es wohl keiner auch nur mal den Mund aufzumachen und zu sagen: „9-live und Handywerbung braucht doch keine Sau!“

Und: „Wer sind die Menschen, die eigentlich deren Einschaltquoten steigern? Wer sieht sich 9-Live und dämliche irreale Geschichten an, die das Leben widerspiegeln sollen?! Was entsteht dadurch für ein Weltbild?“

Und: „Sind diese Menschen eigentlich vom Niveau her weiter unten als jemand der gar kein Fern oder nur Nachtcafé und Tagesschau sieht?“

Ich komme darauf zurück…

 

 

*Schafe: ein Begriff aus dem Buch About a boy von Nick Hornby

"Schafe", sagte Marcus [...] "Määääähh."

"Wo hast du das denn her?"

"Das sagt meine Mum immer, wenn sie findet, dass Leute keinen eigenen Kopf haben."

 

 

 

 

Samstag, 5. dezember 2009 6 05 /12 /2009 13:48

Die Sache mit dem Alkohol...

 

Erst einmal möchte ich auf die Frage antworten, wie lange ich denn an einem Artikel schreibe und wie ich persönlich dabei vorgehe....

Es ist kein Kunstwerk. Am Anfang ist einfach die Idee, die ich entweder aus dem Kopf heraus kurz aufschreibe; teils als richtigen Text, den ich später auch übernehmen kann und teils als Stichpunkte. Wenn ich Zeit habe setzte ich das dann komplett um.

Oder ich schreibe direkt einen Text aus dem Kopf, veröffentliche ihn aber nicht gleich, sondern lese ihn zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal.

Kurzgeschichten und Gedichte veröffentliche ich aber zum Teil sofort. Die entstehen meistens auch aus der Muse heraus. Das bedeutet, dass meine Gedanken einfach nur aufgeschrieben werden müssen. Ich versuche auch so weit es geht in Sätzen zu denken und allem einen Namen zu geben. Vielleicht ist das ja auch von Relevanz…

 

 

Aber nun zum eigentlichen Thema: Alkohol.

 

Zu allererst gilt es zu definieren, ab wann man ein Alkoholiker ist.

Ist man es, wenn man jeden Tag ein Bier trinkt? Wenn man sich am Wochenende volllaufen lässt? Oder wenn man denkt, ohne Alkohol keine Party feiern zu können? Ab wann ist man süchtig?

Die Süchtigen geben das ja nicht so gerne zu. Ihnen will auch nicht bewusst werden, dass sie evtl. vielleicht doch abhängig sein könnten. Ich weiß nicht, ob sie daran denken. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, die Sucht ist gar nicht in ihrem Kopf vorhanden und sie können sich deshalb dieser nicht bewusst werden. Oder die Tatsache, dass man süchtig sein könnte wird einfach verdrängt. Das kann aber andererseits nicht auf alle zutreffen. Denn es ist ja nicht so, dass sich Alkoholiker keine Hilfe suchen. Ich kenne nur keinen…

Das mag vielleicht daran liegen, dass sich keiner so gerne eingesteht, dass er ein Problem hat oder etwas nicht stimmen könnte. Und selbst wenn, Hilfe zu suchen erscheint immer noch als sehr schwierig. Aber wenn die Eingeständnis da ist, ist schon mal die größte Hürde genommen. Ohne die kann man nämlich gar nicht erst Hilfe suchen. Es bringt also nichts, wenn man seinen anscheinend alkoholabhängigen Mann zur Therapie und zum Entzug schickt, wenn der der Meinung ist, es gehe ihm gut. Wie heißt es so schön:

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung

 

Doch wo liegt die Grenze zwischen „ab und zu mal was trinken“ und Alkoholismus? Irgendwie scheint sie nicht so wirklich vorhanden zu sein.

Es wird ja auch immer mehr und mehr und am Ende ist man bei 5 Bier und 4 Schorle täglich...

Wo befindet sich also dieser Bereich? Wo fängt er an? Wo er endet, das kann ich mir vorstellen. Er endet damit, dass Trinken zu einem Lebensbestandteil wird wie schlafen. Deren Leben besteht dann nur aus arbeiten (soweit sie sich noch dazu zwingen können), trinken und schlafen. Natürlich macht er auch noch andere Sachen, aber das Hauptbedürfnis Trinken geht bei vielen wohl unbewusst (=Sucht?) vor.

 

Mein erster Blogeintrag im anderen Blog handelte von Süchten wie Alkohol, Zigarette, Drogen, Sex…paradoxerweise habe ich nebenher ein Bier getrunken. So hat meine „Blog-Karriere“ also begonnen…ich zitiere:

[…] Ab wann beginnt hier die Sucht? Gerade habe ich mir eine Flasche Bier aufgemacht mit dem Hintergedanken, dass ich „Lust“ darauf hatte. Doch wo hört hier der Spaß auf? Wenn man plötzlich trinkt um zu vergessen? Aus Depression? Oder einfach in der Hoffnung, dass sich etwas verändert? Dieser Drang nach Veränderung ist es doch eigentlich, was uns zum Alkohol führt. Die Party soll lockerer sein, der Abschluss soll gefeiert werden, die Probleme sollen ertrinken. Doch im Prinzip – und nüchtern gesehen – verändert sich rein gar nichts. Hält uns aber nicht vom Feierabendbier ab. Klar, wer in die Kneipe geht, da wirken nicht-alkoholisierte Getränke eher befremdend. Da JEDER trinkt. Also Gruppenzwang. Wie soll ein süchtiger dann noch merken, dass er süchtig ist? […]

 

Es gibt wie gesagt also Leute, die trinken, weil sie sich selbst vergessen wollen; Leute, die Trinken, weil sie jemanden vergessen wollen und Leute, die einfach trinken, weil man in der Kneipe halt trinkt.

Ein Jahr später und viele Lebensgeschichten und Kneipenbesuche später kann ich allerdings sagen, dass die wirklichen Alkoholiker aber nur eins verbindet: Das Problem vor dem Alkohol. Sie alle haben versucht es mehr oder weniger mit Alkohol zu lösen, sich davor zu flüchten. Aber das Problem ist immer noch da, auch wenn es in der Vergangenheit liegt.

 

 

Hier ein paar wirklich sehr kurz zusammengefasste Lebensgeschichten meiner Freunde:

 

Ich kenne zum Beispiel einen Mann - nennen wir ihn mal Dieter - der ohne Eltern aufgewachsen ist; angefangen hat zu trinken, seine Frau und Tochter nicht halten konnte und der nun ganz allein praktisch in der Kneipe "lebt". Schlafen - Schichtarbeit - Kneipe. Woanders sieht man ihn selten. Und wenn, dann hat das meistens mit Trinken zu tun. Er streitet allerdings alles ab und vergleicht sich mit Pennern, die auf der Straße an ihrer Weinflasche nuckeln. Schlechtes Argument, denn dabei schneidet jeder besser ab. Das sage ich natürlich nicht. Auf ihm wegen Alkohol rumzuhacken bringt nichts. Er trinkt dann nur noch mehr.

In der Kneipe redet er nie viel, sondern beobachtet. Er besitzt ein gutes Allgemeinwissen und weiß immer, was in der Welt vor sich geht. Witzig ist er auch, aber er sagt manchmal Sätze, die man anders interpretieren könnte; also lässt eine gewisse Zweideutigkeit einfließen. Wenn ich das merke, dann interpretiere ich absichtlich den Satz anders und füge noch ein paar Fremdwörter hinzu, höre förmlich, wie es bei ihm im Kopf ein paar mal klick macht und sehe mir den darauffolgenden leicht skeptischen „wenn-ich-noch-ein-einziges-Fremdwort-höre“-Blick an.

Ich bin ja der Meinung, er sollte mehr lesen als trinken. Schaden würde es jedenfalls nicht.

 

Und dann kenne ich noch einen, bei dem man nie weiß, wie er ist - nennen wir ihm mal Jo. Sein Hobby ist jedenfalls trinken, rauchen, pokern und in der Kneipe zu diskutieren und Leute doof anzumachen. Egal welchen Standpunkt man vertritt, er ist immer dagegen. Und wenn man seine eigene Meinung seiner angleicht und ihm Recht gibt, widerspricht er einem und sagt genau das, was man schon lange gesagt hat, und so geht das dann weiter... Alle kennen schon seine Taktik, deshalb such er sich irgendwelche Fremden aus und bequatscht die.

Wie sein Leben so verlief, weiß ich nicht so genau. Er hatte aber mal eine Frau und einen Sohn und überall Ex-Freundinnen. Er war auch mal Millionär und hatte eine Penthousewohnung...ansonsten ist er nun (fast arbeitsloser) Projektmanager.

Ich halte ihn für ziemlich intelligent. Ich messe das allerdings nicht an dem, was er macht, sondern an seinem Wissen. Er besitzt viel emotionale Intelligenz, was man ihm auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Er hat irgendwie auch so einen Tick, dass er nicht will, dass die Leute ihn für toll, intelligent oder etwas anderes Positives halten. Dann macht er wieder irgendwas, um der „Depp der Kneipe“ zu sein…

 

Außerdem kenne ich noch eine Frau - Teesorte - die anscheinend ein ganz großes Problem mit Männern und mit Alkohol hat. Ich glaube allerdings, dass ihr Grundproblem was mit Liebe zu tun hat... Sie hat nämlich ziemliche Angst vor dem Alleinsein. Deshalb trinkt sie und trinkt und heult sich manchmal bei mir aus. Aber am nächsten Tag lächelt und strahlt sie wieder, weil sie einen Mann an ihrer Seite hat. Am übernächsten taucht dann dieser mit einer anderen Frau auf und verlässt sie,... d.h. sie ist dann wieder unglücklich, und so zieht sich das hin...

Im Grunde genommen halte ich sie für eine sehr intelligente Frau, die allerdings viel u emotional ist. Sie macht sich abhängig von Männern und versucht dies vermutlich mit Alkohol zu lösen. Und was noch erschreckenswert ist, dass sie sich immer die "Arschlöcher" aussucht und nie dazulernt. Ich sage das jetzt mal ganz kokett.

 

Dann kenne ich noch den besten Freund von Jo: A. Egal über welches Thema man sich mit ihm unterhält, am Ende heißt es immer "...du, ich war 20 Jahre lang mit meiner Frau verheiratet..." Er scheint sie, wenn man nach den ständigen Wiederholungen geht, wirklich zu lieben. Allerdings sucht er die Antwort für alles entweder in Alkohol oder in Sex. Er hatte im letzten Jahr so viele Frauen, aber keine blieb. Das hat A. dem Alkohol und seinem Alkoholikerfreund Jo zu verdanken. Aber dennoch wird schön weitergesoffen...er hatte mal eine Firma. Irgendwas mit Alu.

Er und Jo haben jedenfalls mal bei dieser Fürstenberg-Aktion mitgemacht. Zusammen hatten sie über 900 Kronkorken in knapp zwei Monaten gesammelt. Das macht für jeden ca. 8 Flaschen Bier pro Tag…wenn man bedenkt, dass das nur Jos Flaschen waren und die zwei immer unterwegs sind, Jo manchmal sieben Tage am Stück, dann ist das schon ziemlich…heftig.

 

Ich kann mich noch genau an eine Diskussion mit Jo in seiner Wohnung erinnern, in der er auf die Frage, was er denn noch vom Leben zu erwarten habe, geantwortet hat, dass er gar nichts mehr zu erwarten habe. Er warte jetzt noch 30 - 40 Jahre ab und in der Zeit spiele er Poker und würde Shut the Box spielen. Wer verliert, holt noch zwei Bier...

 

 

Doch was letztendlich in einem Alkoholiker vorgeht, kann ich nicht sagen. Ich kann nur beobachten und reden und daraus schließen, dass diese Menschen Probleme haben müssen. In einem Buch habe ich mal gelesen, dass es beim Problem anfängt (Kindheit, Liebesentzug, Millionen verzockt, etc.); dann kommt das Trinken. Das wird immer mehr und letztendlich hat man das eigentliche Problem gut unterdrückt. Bzw. Der Alkohol stellt sich davor und wird zum Problem.

Die Mehrzahl der Leute, die ich kenne erscheinen mir so, als wäre Alkohol zwar in ihrem Leben integriert, aber süchtig? Nein, Niemals! Wobei man wieder bei der Kernfrage wäre, ab wann man denn nun süchtig ist. Ich denke Alkoholismus ist in jeder Hinsicht ein Teufelskreis...

Der einzige, der zugibt, dass er kaputt sei, ist Jo. Aber bei seinen Aussagen kann man sich ja niemals sicher sein.

 

Viele haben wohl Angst, allein zu sein. Das scheint allerdings bei vielen Menschen so zu sein, nicht nur bei Alkoholikern. Auch wenn ich das persönlich gut wegstecke. Ich denke mir einfach immer, dass jeder da draußen, der sich an irgendwen klammert, auch alleine ist. Man kann sich ja so vieles einreden... Ich jedenfalls sehe keinen Sinn in Beziehungen oder Familientreffen. Das ist aber eine andere Geschichte. Ich unterhalte mich gerne mit Leuten, bin aber auf niemanden mehr angewiesen. Bis auf meine Eltern, bei denen ich noch wohne. Vielleicht erspart mir dieses abstrakte Denken ja ein bisschen Leid, welches andere durch das Verlassen werden bekommen. Mir erscheinen Texte und die Lebensgeschichten anderer jedenfalls wichtiger als mich zu fragen, ob ich alleine bin oder nicht. Ich habe jedenfalls meine Lebensgeschichte, die sich auch ohne Liebe, Männer oder Familie erweitern kann und das muss reichen. Aber andererseits ist das wiederum eine Endlosgeschichte, da die Gesellschaft etwas anderes predigt...davon aber vielleicht ein anderes mal, wenn es um den Sinn von Beziehungen geht.

 

Wie das bei den eben vorgestellten "Alkoholikern" ist, kann ich genau sagen: Jo hat jedenfalls eine Freundin, die ihn bedingungslos liebt und die er rumschupsen kann. Aber ansonsten hat hier wirklich niemand irgendwen. Dieter ist mein Ex-Freund und wird auch nie trinken aufhören. Er meinte, es würde alles anders werden, wenn er jemanden hätte. Leere Versprechen...

 

Und das sind nur ein paar Charaktere, von denen ich behaupten würde, dass sie Alkoholiker seien. Das meine ich aber nicht im negativen Sinne, denn sie sind aufgrund dessen keine schlechten Menschen. Sie kommen einfach nur nicht mit ihrer Gefühlswelt und mit ihrer daraus resultierenden Sucht klar. Es ist einfach die Leere in einem, die Gefüllt werden muss. Egal mit was.

Mein früherer bester Freund Kai sagte immer, ich würde irgendwann mal auch eine Alkoholikerin werden, weil ich mich mit vielen Alkoholikern abgebe. Aber das war noch zu alten Zeiten. Heute bin ich nur noch selten unterwegs. Aber ich trinke ganz gerne mal die Männer unter den Tisch und diskutiere in der Kneipe, wie ich es von Jo gelernt habe. Das ist nicht meine Zukunft, aber ein Teil von meinem Leben. Aber bin ich deshalb Alkoholikerin?

 

 

 

 

 

Donnerstag, 17. dezember 2009 4 17 /12 /2009 17:04

(Warum bin ich hier – in der Schule – und lerne?)

 

Das, was die Überschrift aussagt, war mein ursprüngliches Thema. Stattdessen darf man sich nun zusätzlich auf Hartz 4, Geld, Selbstzweifel, Monotonie, Masse, Philosophie und den Sinn des Lebens gefasst machen…

 

Warum soll ich eigentlich noch in die Schule gehen?

Das ist eine gute Frage, die ich mir schon oft gestellt habe, aber bisher noch nicht beantwortet oder mich anderweitig damit auseinandergesetzt habe. Der Sinn eines jeden Menschen ist zumindest lernen. Dazulernen, neues lernen, nie auslernen. Und auch wenn das einige noch nicht ganz verinnerlicht haben, ist lernen ein Prozess, der von einem selbst aus kommen muss. Leider stellt die Schule und das Studium hier Weichen, die es nicht jedem ermöglichen zu lernen. Zum einen ist es die Notenskala in der Wissen gemessen wird, zum anderen das Geld, das fehlt.

 

Ich war vergangene Woche kurz auf der Schülerdemo bei uns im Städtchen und habe mir mal angesehen, was da so gesagt wird. Aber hilft das überhaupt? Kann man die Leute damit zum Nachdenken anregen? Kann man in dieser Welt überhaupt irgendetwas verändern oder ist unsere Gesellschaft bereits so gefestigt, dass eine Subversion gar nicht mehr möglich ist?

Ich bin normalerweise die erste, die die Masse verflucht. Aber wenn so viele junge Leute in ganz Deutschland unzufrieden sind, sollten die da oben zumindest versuchen, etwas zu unternehmen und Bildung http://www.alles-und-nichts.net/article-like-back-from-hell-79670344.html sein lassen und nicht zu einer Ware machen, die man sich erkaufen und bei der man sich sogar hochkaufen kann. Wir sind ja so demokratisch und sozial. Alle sind gleich.

Aber man muss natürlich erst mal denen helfen, die ganz unten sind. Den Hartz 4 - Empfängern zum Beispiel. Wobei ich denke, dass die es noch am besten haben, da sie weitgehend stressfrei im Vergleich zu anderen leben.

 

Weitere Punkte auf der Abschussliste der Schüler sind zum Beispiel das Turbo-Abitur G8 und das dreigliedrige Schulsystem, welches genau so wie mit den Steuern und unserem Sozialstaat ein längst überholtes System ist, das sich irgendwann mal jemand ausgedacht hat und seither immer noch gültig ist. Etwas Besseres fällt einem ja nicht ein. Man denkt wohl auch erst darüber nach, wenn es zu spät ist. Wie ein Kartenhaus, das mit einem Windhauch einstürzen könnte. Warum gehen Jugendliche auf die Straße? Warum sind wir verschuldet? Warum soll man funktionieren und nicht leben?

Eigentlich sollten die Politiker über eine Verbesserung in Form von etwas ganz Neuem nachdenken und nicht darüber, wie man das alles noch mit Kaugummi und Spucke zusammenhält. Ja, man kennt das ja von Machiavelli. Ein Fürst muss heucheln. Das Volk bleibt stumpf und dumm.

 

Ich wollte mit diesem Text allerdings keine Revolution anfechten, sondern nur ein wenig vorsticheln, bevor ich richtig anfange mich zu echauffieren.

Es geht mir nämlich hauptsächlich um die Schule:

Schule ist sinnvoll, das habe ich begriffen, als ich auf die Hauptschule kam. Naja, eigentlich erschien sie mir bereits davor als sinnvoll, aber da ich nicht mithalten konnte und gen Ende nur schlechte Noten geschrieben habe und zusätzlich von Lehrern sowie von Schülern aufgrund dessen verachtet wurde, habe ich einfach resigniert. Keine Hefte mehr geführt, nicht mehr zugehört, war einfach nur da oder bleib zu Hause, seelenlos, so gut wie tot.

Ich dachte immer, dass das an dem Umfeld liegt. Aber heute, an genau diesem Tag, weiß ich, woran das liegt. Ich mache mir so einen Kopf darüber, gute Noten zu schreiben, und dabei bin ich immer Durchschnitt, egal wie sehr ich mich auch anstrenge, weniger esse, weniger schlafe, weil das zu viel Lernzeit in Anspruch nimmt, es wird nicht besser. Und das koaliert zudem mit meinem Unterbewusstsein, das mich an früher erinnert. Obwohl die Atmosphäre perfekt ist, um mich herum endlich mal nette und intelligente Leute sind, wird das einfach nichts. Denn die meisten leben neben der Schule her auch noch, lernen wenig und schreiben eine besser Note als ich.

Ich finde das nicht unbedingt ungerecht, ich bin auch nicht neidisch auf die, die sich Noten aus dem Ärmel schütteln, als seien sie nichts. Ich finde es nur ungerecht, dass man nicht nach dem Stand eines Menschen geht, sondern nur strikt nach den Noten. Der Rest interessiert keinen Lehrer. Wo ist hier die Meinung eines Individuums abgeblieben? Was ist mit der emotionalen Intelligenz? Was ist mir dem Schreiben und mir? Zählt etwa nur Input und Output und dafür gibt’s dann eine eins?

Da kommen mir schon solche Zweifel, ob das alles auch seine Richtigkeit hat. Andererseits: Wie soll man denn auch Individualität und den Menschen an sich benoten? Ich tröste mich damit, dass Einstein auch ein miserabler Schüler war…sogar ein noch miserabler als ich. Ich weiß nicht, ob es ihm egal war oder nicht. Ich jedenfalls wäre ohne Mühe auch eine fünf. Ich spüre Mal wieder, wie es ist eine Hauptschülerin zu sein. Früher wurde ich geschätzt, weil ich die Schülerzeitung gerettet habe, mit den Lehrern philosophiert habe und heute bin ich nichts.

Und für dieses Nichts gebe ich mich auf, schaffe meine eigene Temporalinsolvenz und gehe kaputt. Ist das der Sinn von Schule?

Ich überlege mir schon, das alles einfach aufzugeben. Ich habe meinen guten Zweier-werkreal-Abschluss und meine bisherige Intelligenz nutzen können, um zu überleben. Aber wenn alles, was ich gebe, zu wenig ist, dann kann ich mir nicht die Schuld daran geben. Dann gebe ich vielleicht einfach auf und lebe lieber, lese Bücher, habe Zeit für Bedürfnisse, als mich krampfhaft anzustrengen, nur um im Endeffekt nichts zu wissen.

Ich will zum Beispiel Nietzsche lesen, Kant verstehen, mit Hermann Hesse mitfühlen und Max Frisch bewundern. Dieses Wissen bringt mir nämlich etwas. Ich will nicht behaupten, dass Schule nichts bringt. Aber wenn man keine Zeit hat, sich auspowert und trotzdem ein schlechter Schüler ist, dann ist der Sinn somit verloren.

 

Aber arbeiten und Existenzsicherung ist auch nicht viel schöner. Darum schreibe ich, dass es Hartz 4 Empfängern am besten geht. Das erinnert mich übrigens an die Besinnungstage, deren Thema die „Zeit“ war. Ich habe den Arbeitslosen gespielt. Und ich denke nun, wo ich für nichts mehr Zeit habe und es nicht vage mir diese zu nehmen, dass man daraus mehr machen kann als Kinder zu zeugen, Fast Food zu essen und nutzlos in der Gegend herumzustehen. Das Problem ist nur die fehlende Bildung und die Chance nach oben zu kommen. Aber die, die sich anstrengen werden auch nicht immer belohnt. Vielleicht reicht es ja nicht, wenn man 100 % gibt. Vielleicht sollen es auch 1000 % sein…

Arbeiten bedeutet jedenfalls für viele Überleben, etwas tun und dafür einen Lohn bekommen, der einem gerade so reicht. Arbeit kann behindern (Zeit) oder einem ein besseres Leben verschaffen (Geld). Und Zeit ist Geld…

Das erinnert mich irgendwie an Momo. Traurig, aber wahr. Monotonie.

 

Leider kann man aber nicht einfach aussteigen und gehen. Aus diesem System, dessen Sklaven wir alle sind, kommt man wohl nie heraus. Man ist dazu verdammt, immer etwas zu tun. Nietzsche hatte mit so vielem Recht und er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diese Gesellschaft mit erleben müsste. Letztendlich sind wir Sklaven und Tiere, die ums Überleben kämpfen. Sklaven unserer Chefs, unseres Alltags und Sklaven von uns selbst.

Und da raus findet man nicht so einfach. Als Herren hat Nietzsche die Intelligenten, die Überlegenen, den Übermenschen bezeichnet. Ich kenne keine Person, auf die das zutreffen würde. Mit Sicherheit gibt es Herren, diese aber wiederum sind weder besonders intelligent noch ein gutes Beispiel für andere. Nehmen wir zum Beispiel Heidi Klum und Dieter Bohlen. Sie schaffen es die Masse hinter sich her zu schleifen, aber das braucht keiner. Die Leute brauchen jemanden, der ihnen erklärt wer sie sind und was das Leben ist. Natürlich ist es einfacher hinter Superstars hinterher zu hecheln, deren Nacktfotos in der Bild anzuglotzen und blöd auf der Mattscheibe anderer Leute Leben zu verfolgen, als sich seinem eigenen Ich bewusst zu werden. 

 

 

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