Journey...Alles-und-Nichts

Lerntagebuch

, 04:22am

 

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Ein Projekt aus dem Psychologie-/ Pädagogikunterricht. Hier halte ich meine Gedanken zum Unterricht und anderen Themen, die mir spontan dazu einfallen, fest.

 


 

 

11. Klasse

   

 

Samstag, 26. september 2009

Zweiter Blog.

 

Dies ist mein zweiter Blog, den ich parallel zum ersten führen werde. Es wird hier aber nicht genau um die selben Themen gehen, sondern ausschließlich um meinen Psychologie/Pädagogik-Unterricht in der Schule. Wie ich über die Dinge denke, was mir während des Unterrichts einfällt, etc.

Wir haben nämlich die Aufgabe bekommen ein „Lerntagebuch“ zu erstellen. Und dies darf überraschenderweise auch in Form eines Weblogs geschehen. Ich habe mich also gegen ein Notizbuch und für die digitale Version entschieden. Abtippen geht meiner Meinung nach auch schneller. Man kann die Sätze schneller abändern. Und als leidenschaftliche Texterin verwalte ich sowieso so gut wie alle meine Texte digital. In so fern trifft sich das gut.

 

Zuallererst möchte ich ein bisschen was von mir erzählen…

Da overblog keinen Passwortschutz besitzt, bleibe ich auch vorerst anonym wie in meinem ersten Blog. Denn Namen haben nichts zu sagen. Ich kann nur sagen, dass ich seit diesem Schuljahr auf ein Sozialpädagogisches (bzw. mittlerweile heißt das „Sozialwissenschaftliches“) Gymnasium gehe, um dort mein Abitur zu machen. Ich wollte ursprünglich Redakteurin werden und zwang mich deshalb mehr oder weniger mir ein Gymnasium zu suchen, da man für diesen Beruf das das Abi benötigt. Ich habe mir das SG ausgesucht, weil mir das am leichtesten erschien. Denn technisch bin ich nicht begabt und die heutige Wirtschaft verstehe ich auch nicht wirklich (wobei ich denke, dass die da oben auch nicht wirklich verstehen, was sie sagen) und auf das normale Gymnasium wollte ich auch nicht.

Mittlerweile möchte ich allerdings das Abi eher aus anderen Gründen machen. Redakteurin war nur so eine Idee von mir, damit ich ungefähr die Richtung habe, die ich einschlagen will: Schreiben. Denn das ist wortwörtlich mein Leben. Das Abi mache ich nun, weil man es erstens immer gut gebrauchen kann und zweitens will ich mein Allgemeinwissen auffrischen und vor allem meinen Horizont erweitern. Mit dem Fach Psychologie/Pädagogik geht das ganz gut. Ich denke, ich werde dort Dinge lernen, die mir mehrmals im Alltag begegnen, auf die ich aber noch nicht so intensiv eingegangen bin. Weniger gut bin ich auf den Begriff „sozial“ und all dem was dahintersteckt anzusprechen. Das liegt allerdings an der Gesellschaft, über die ich mich in diesem Blog wohl noch öfters auslassen werde. Ich selbst bin jedenfalls nicht immer sozial. Diese Eigenschaft von mir hält sich eher in Grenzen.

 

Mal sehen, wie sich alles in diesen drei Jahren auf dem SG entwickeln wird. Bis auf die Richtung ist noch alles offen. Vielleicht gehe ich ja auch studieren. Wer weiß…

 

 

Meine Gedanken offen zu legen macht mir im Übrigen rein gar nichts aus. Ein Tagebuch soll eigentlich niemand lesen. Ich bin froh, wenn jemand Interesse an dem zeigt, was ich denke und mir ein Feedback gibt.

 

 

 

 

Montag, 28. september 2009

Journey und ihre Unregelmäßigkeit....

 

Meine ersten "paar" Pädagogik-Unterrichtsstunden waren ganz okay. Eigentlich sollte ich immer hier reinschreiben, aber ich sammle lieber die Ideen aus dem Unterricht und schreibe anschließend einen Text darüber bzw. lasse sie in den Text einfließen.

Es gibt ziemlich viel Theorie zu lernen. Aber alles kenne ich eigentlich schon ganz grob von Erlebnissen und den daraus resultierenden Erfahrungen. Und vom Menschen analysieren. Allerdings bin ich bisher nie ins Detail gegangen wie im Unterricht. Ich habe nie das in meinem Kopf in solche Kapitelüberschriften wie im Buch zerteilt. Für mich ist das deshalb etwas schwer zu entwirren, da die Sachen für mich nicht wirklich neu sind und bisher alles bei mir unter einer Kategorie lief: Kindheit /Vergangenheit hat einen geprägt und somit Einfluss auf das Jetzt/die Psyche/wie und was wir so denken. Beim Namen habe ich das Kind jedoch nie genannt.

Ich schreibe auch nicht so oft rein, weil ich noch überlegen muss, wie ich alles am besten zerteile. Weil ich schon so viele Ideen habe, aber irgendwie ordnen muss…jetzt folgt aber erst einmal meine Lebensgeschichte in X-Teilen. Allerdings wird es sich nicht vermeiden lassen, dass ich vieles in darauffolgenden Einträgen ergänze…alles auf einmal fällt mir nämlich auf Anhieb nicht ein und das alles umzusetzen ergäbe ein 2000 Seiten Buch, das nur meine Lebensgeschichte und meine Gedanken bis 19 beinhalten würde…aber ich habe noch andere Sachen zu schreiben, also „beschränke“ ich mir hier auf das mindeste, was man so über mich und mein Denken wissen sollte. Wer weiß, vielleicht brauche ich es später ja.

 

Allerdings habe ich Tagebücher bis jetzt nur sporadisch geführt. Mein erstes hatte überraschenderweise eine Pause gemacht. Ich weiß auch nicht warum, aber ich habe mir damals einfach alles mal durchgeblättert und stieß beim letzten Eintrag auf das selbe Tages-Datum, nur dass mittlerweile ein Jahr vergangen war…

Mein zweites Tagebuch waren die „Morgenseiten“ Jeden morgen nach dem Aufstehen schrieb ich meine Gedanken auf. Aber auch das hielt nicht allzu lange. Dann kamen die Flussseiten. Ich setzte mich an einen Fluss, hörte dem Wasserrauchen zu und schrieb einfach irgendetwas. Mein wirklich gezieltes Projekt war allerdings das „Kneipentagebuch“, in dem ich über zwei Monate alles aufschreib, was ich an den Abenden unterwegs so beobachtet habe.

 

Dies ist übrigens mein vierter Blog. Die ersten beiden existieren nicht mehr, nur als Word-Dokumente. Den anderen, dritten Blog (alles-und-nichts.net) gibt es seit November letzten Jahres und spiegelt alles wider, was mir im Kopf rumschwirrt. Kurzgeschichten, Gedichte, Neuigkeiten über meine Mitmenschen, Familienprobleme, Erlebnisse,…aber ich habe auch öfters zwischendurch aufgehört zu bloggen und dann wieder mit schlechtem Gewissen angefangen…

 

In diesem Blog muss ich mich zusätzlich noch etwas zurückhalten, damit noch etwas für den anderen übrig bleibt. Denn vieles überschneidet sich. Vielleicht wird dieser Blog eher zur Vergangenheit tendieren…

 

In Worten zu denken ist zwar einfach, aber wenn man soviel davon im Kopf hat und nicht weiß wo man anfangen soll, ist das auch nicht so gut…und wenn alles auch noch so zusammenhängt!

Eigentlich ist das hier eine gute Übung für mich...denn wenn ich schreibe muss ich auch die ganz komplizierten Sachen zerstückeln können.

 

 

 

 

Dienstag, 29. september 2009

1. Eltern & Family

 

Mit Sicherheit sind Eltern ganz wichtig…aber ich kann es nicht mehr hören, wenn jemand von Familie, Kindern, heiraten und was nicht noch alles unter diese Kategorie fällt, redet. Besonders ist mir an meiner Schule aufgefallen, dass die Eltern ziemlich hochgeschrieben werden. Sie sollen alles unterschreiben, uns abholen, wir sollen gerade sie nach der Definition von Erziehung fragen,... Und das alles mit der Begründung, dass sie unser Schulgeld zahlen. Das ist doch wohl das mindeste, was ich von meinen Eltern verlangen darf! Und die paar Euro Taschengeld von denen ich lebe. Ich würde mir auch alles lieber selbst zahlen und echauffiere mich ziemlich oft, weil das nicht geht. Ich müsste, um das möglich zu machen, nicht mehr schlafen und essen, weil mich das am Arbeiten und Lernen hindern würde…und der Tag sollte 48 Stunden haben. Und für was lebe ich dann eigentlich, wenn ich mein ganzes Leben nur arbeiten müsste, um meine Existenz gerade noch so zu sichern? Moment…so wird es so oder so enden. Es sei denn, ich besiege Murphy’s Gesetz und habe Glück und werde irgendwo als kreatives Genie entdeckt… Vielleicht sollte ich lieber einmal wieder Lotto spielen…

Wenn ich mich also schon mit solchen Gedanken und Vorwürfen quäle, sind die paar Euro Schulgeld ja wohl selbstverständlich. Abgeholt muss ich nicht werden. Essen mache ich mir freiwillig lieber selber. Und ich räume nur nach mir auf. Der Rest geht mich nichts an. Jeder, U. (mein Dad), meine Mum und ich…jeder von uns hat sein Leben.

Dennoch bin ich nicht damit zufrieden, weil ich immer noch von anderen Menschen abhängig sein muss. Mir erscheint das als das schlimmste überhaupt. Weil ich nicht einfach weglaufen und endlich mein Leben ohne Familienessen, -teffen, Sonntage, Geburtstage und Weihnachten führen kann… Ich bin einfach nicht „frei“. Ich darf zwar machen, was ich will, aber "wer seine Miete nicht selber zahlen kann, für den ist Freiheit ein leeres Wort."(Ildikó von Kürthy, Schwerelos)

Natürlich, meine Eltern haben mich auf die Welt gebracht, was allerdings keinen zwingenden Grund zur Dankbarkeit in mir hervorruft. Vermutlich sind sie auch nicht mit dem zufrieden, was sie „geschaffen“ haben. Auch, wenn ich mich zu größten Teil selbst…naja, erzogen kann man das nicht nennen. Aber alles, was mich außerhalb der Familie geprägt hat, hat heute mehr Bestand. Obwohl beides nicht sehr schön für mich war.

Erzogen hat man mich schon etwas. Laufen lernen, Sprechen lernen, etc. Aber ich denke irgendwas Wichtiges hat man vergessen…sonst würde ich vielleicht ein besseres Verhältnis zu meinen Mitmenschen haben und wäre positiver eingestellt…und würde nicht vor allem, was mit „Familie“ zu tun hat, flüchten…

Zudem haben meine Eltern immer so getan, als wäre alles okay. Nach außen waren wir die perfekte Familie. Allerdings habe ich die letzten Jahre dieses Bild zerstört, mich vorwiegend abgekapselt und somit ein Fünkchen Wahrheit ans Licht gebracht.

Was ich sagen will: Eltern sollten ihr Kind auch unterstützen. Denn finanziell ist das Kind machtlos. Pleite. Das habe ich in meiner Familie und von Jo (meiner ersten „großen“ Liebe) gelernt. Von der Liebe meiner Eltern bin ich nicht abhängig, aber leider von deren Geld. Liebe hatte ich nie in dem Sinne, in dem ich es mir gewünscht hätte. Sicherlich hat sich meine Mum damals um mich gekümmert und das alles, aber als ich größer wurde, war ich eher auf mich allein gestellt. Ganz besonders, was das in mir angeht. Denn das will niemand verstehen. Und schon gar niemand, dessen Denken sich nur auf einen Standpunkt beläuft...

 

Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt. (Albert Einstein)

 

Naja, Kinder kosten eben Geld und im Endeffekt hat man nichts davon. Aber das am Kind auszulassen ist auch nicht das richtige. Das ist wie Babys in die Kühltruhe stecken, weil man vorher nicht gewusst hat, wie anstrengend sie sein können. Man sollte sich das mit dem Kinderkriegen jedenfalls gut überlegen. Ich könnte jedenfalls kein Kind erziehen, das gebe ich offen zu. Noch ein Wesen in diese grausame Welt zu setzen muss nicht sein. Außerdem braucht man dazu bekanntlich einen Mann und der lässt mich am Ende alleine und den Rest vom Spiel kennt man ja...

 

 

 

 

Mittwoch, 30. september 2009

Erziehung?

 

Unser erstes Thema dreht sich um die Anthropologie, die Wissenschaft des Menschen. Schwerpunktmäßig Erziehung.

 

Erziehung ist meiner Meinung nach eine Kunst für sich.

Ich kannte von der Hauptschule her sehr wenige Kids, die mich überrascht hatten. Manchen Kindern fehlt wohl einfach die Förderung… Mir ist zum Beispiel ist damals ein Junge im „Freizeitraum“ begegnet, der gegen mich Billard spielen wollte. Und er konnte blitzschnell im Kopf berechnen, wo die Kugel aufschlägt und hat somit eine nach der anderen eingelocht…so was finde ich schön. Oder ein anderes Mädchen, mit der ich in der Schülerzeitung war, nahm sich mich als Vorbild und übte fleißig Geschichten schreiben. Ich steckte sogar alle ein wenig damit an. Bei solchen Kindern würde ich es schade finden, wenn es dafür zu Hause mies laufen würde. Mein Direktor hat sich immer sehr darum bemüht die kleinen Kids in der Entwicklungsphase zu unterstützten, dafür zu sorgen, dass sie eine schöne Kindheit haben. …und das ist gerade das Problem der Erziehung. Manchmal treffen Welten zwischen Schule und "Zuhause" aufeinander. Und gerade das ist für die Entwicklung des Kindes nicht gut. Denn wenn das Kind einerseits im Kindergarten/in der Schule aufwächst, dort seine Freunde hat und es in der Familie jeden Tag kracht, wird das einfach zu viel. Vielleicht sagt das Kind ja nichts. Aber es kann ja nicht wissen, dass das irgendwann zum Problem werden könnte. Das man da was tun muss. Deswegen sollten sich Erzieher und Lehrer auch mehr darum kümmern und bei jedem Kind nachforschen.

Leider ist man aber oft machtlos gegen so was, weil man es nicht nachweisen kann. Und das Jugendamt schaltet sich auch nicht gerne ein.

 

 

Ich zum Beispiel bin letztendlich zu dem Schluss mit den unterschiedlichen Welten gekommen. Ich wurde zu Hause nicht geschlagen oder Ähnliches. Mir hat einfach die Liebe und das Verständnis gefehlt, als es mir mies ging. Und deswegen distanziere ich mich lieber von meiner Familie. Das merkt allerdings keiner. Das ist mir auch egal...

Ich war ja immer ein Einzelgänger-Kind gewesen. Allerdings habe ich erst ab der Hauptschule das "Zuhause", die Welt da draußen und meine Familie zu trennen versucht. Letztendlich lebte ich also in mehreren Welten. Zum einen in der Schule, die mein zu Hause wurde. Dann in der Kneipe, bzw. allgemein „frei“, und eben "zu Hause". Ich muss zugeben, manchmal bin ich ein undankbares Kind, aber dafür kann ich nichts. Wenn man in ein Kind alles bis auf Verständnis stopft, kann auch nichts Gutes dabei herauskommen. Und so kam es, dass ich an meinem Abschlussabend an der Schule zehn mal lieber meine Kneipenfreunde mitgenommen hätte (die ja auch meine Eltern sein könnten) als meine leiblichen Eltern. Denn die Welten Schule und Familie trenne ich grundsätzlich. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Und wenn beide aufeinandergetroffen wären, gäbe es einen Knall und ich wollte mir nicht den letzten Abend versauen lassen. Letztendlich ging ich dann alleine zur Abschlussfeier hin und sah den Kids zu, wie sie mit ihren Eltern tranken und lachten. Genau wie ich als Einzelgänger-Kind die Grüppchen auf dem Pausenhof beobachtet habe und hoffte, dass ich endlich wieder in die Klasse und weg von all den Augen konnte, die auf einem ruhen, wenn man alleine da steht. Das war mir aber auf meiner Abschlussfeier egal. Hauptsache meine Eltern waren nicht da und würden mit mir angeben, obwohl sie sich immer einen Dreck um meine Einsen im Diktat geschert haben. Diese Heuchlerei hatte ich schon von meinen Klassenkameraden. Und doppelt heucheln wäre mir zu viel gewesen.

 

Wie eine gute Erziehung ablaufen sollte, kann ich nicht so gut beurteilen. Man gibt eben das weiter, was man von seinen eigenen Eltern bekommen hat. Und wenn meine Eltern damals keine Liebe bekommen haben, können sie mir nun auch keine oder nur bedingt geben. So sehe ich das.

"Der Mensch ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht." (Kant)

 

 

 

 

Mittwoch, 30. september 2009

2.1 Zeitungsartikel

 

  

 

 

Mittwoch, 30. september 2009

2.2 „Lieber allein zu Haus“ – die frühe Kindheit und Freunde

 

Da ich mir vorgenommen, habe ernsthaft und nicht nur sporadisch die Zeitung durchzublättern, bin ich auf einen Artikel gestoßen, den ich sofort rausgerissen und auf den To-do-Stapel mit allen handschriftlichen Ideen gelegt habe, die ich heute zumindest noch abtippen möchte.

 

Schon allein die Titelüberschrift hat mich interessiert, da ich auch ein Außenseiter-Kind wie Stefan war. Woran das genau liegt, habe ich bis heute noch nicht entschlüsseln können. Aber auf jeden Fall hat es sehr mein Sozialverhalten geprägt, weil ich seit ich denken kann immer Probleme mit Gleichaltrigen hatte. Bis heute habe ich sie sogar, aber ich gewichte es nicht mehr so wie früher.

Allerdings staden bei mir die Kids nicht vor der Tür und wollten mit mir spielen. Jedenfalls kann ich mich an viele Tage erinnern, die ich allein, aber nicht einsam(!) verbracht habe. Einsamkeit klingt negativ. Ich habe mich erst später wirklich einsam gefühlt, als das Mobbing an der Realschule dazu kam.

Ich habe jedenfalls früh gemerkt, dass ich alleine besser dran war, als mit dem Rest der Welt. Sehen wir mal von den „Freunden“ ab, die ich damals hatte. Die haben mich nicht geprägt. Im Inneren war ich auf allein gepolt. Denn ich war einfach ein Einzelgänger und werde es irgendwo auch immer sein. Als Kind hatte ich kein Problem damit. Ich kannte es nicht anders. Alleine spielen war normal für mich. Auch im Kindergarten und später. Sicherlich konnte ich auch mit anderen Kindern spielen…aber überwiegend spielte ich alleine.

Ich hatte zwar M., die ich wortwörtlich bereits mein Leben lang kenne, da unsere Mütter im selben Zimmer waren und wir am selben Tag auf die Welt gekommen sind. Damals habe ich immer wieder mal was mit ihr gemacht, dann wieder nicht,…heute sind wir beste Freundinnen und sie ist eine der wenigen, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht und von der ich heute sagen kann, dass sie lebensnotwendig für mich ist. Auch, wenn ich noch die ein oder anderen sozialen Schwierigkeiten habe und daher nicht immer so verstanden werde, wie es mir wichtig wäre.

 

Im Artikel steht, dass man mit seinem Kind reden soll…mich hat man einfach auf die Vorschule wegen meinen sozialen Schwierigkeiten geschickt und basta. Gefragt wie ich mich fühle hat meines Wissens niemand. Und meine Mutter war glaube ich eher eine, die mir Vorwürfe gemacht hat. Das macht sie heute auch noch…täglich. Manchmal kommt sie deswegen sogar extra in mein Zimmer...um mich zu kritisieren. Zum Beispiel, dass ich nicht nach dem Rest der Familie aufräume, was ich allerdings nicht machen werde, da ich in diesem „Zuhause“ nicht lebe. Nur in meinem Zimmer und das war’s.

 

Zu der Bildunterschrift kann ich nur hinzufügen, dass man das als Kind nicht unbedingt lieber tut. Man weiß nicht, was man tut. Man sieht einfach zu, beobachtet und macht sich vielleicht so seine Gedanken. Als ich älter wurde, gingen diese Gedanken dann ins negative über….

Meine Meinung ist, dass man das Kind nicht zwingen kann mit den anderen zu spielen. Man sollte es im Kindergarten/in der Schule allerdings beobachten. Wenn das Kind soziale Schwierigkeiten bereits so früh aufweist, wird es im Leben später sehr schwer werden, wie es für mich auch sehr schwer war und zum großen Teil immer noch ist.

 

 

Als ich auf die Grundschule kam, hatte ich somit bereits kein gutes Menschenbild im Unterbewusstsein und meine sozialen Kontakte verbesserten sich immer noch nicht. Allerdings gab ich dennoch nicht auf irgendwo Freunde zu finden, weil man das ja unbedingt braucht. Ohne Gleichaltrige kam ich aber besser zurecht, das fand ich immer schon. Misstrauen begleitet mich bis heute noch. Ich beherrsche mich das aber nicht zu zeigen. Ich will kein Außenseiter mehr sein. Alleine ja. Aber kein Außenseiter, der nur fertig gemacht wird und als Opfer gesehen wird.

Ich fand an der Grundschule trotzdem ein paar Freunde, lief ab und zu mit M. über den Pausenhof, machte den Diddl-Blätter-Hype mit, aber das auch nur in den ersten zwei Klassen. Ab der dritten ging das dann damit los, dass ich kein Sport mitmachen konnte bzw. vom Arzt wegen meinen Fünfen nd Sechsen befreit wurde. Man begann mich schräg anzusehen.

Das war auch die Zeit, an der Kids aus den höheren Klassen (ich war auf einer Grund- und Hauptschule) damit anfingen mich mit Pfennigstücken zu bewerfen und auszulachen. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Sie mussten ja recht haben. Von zu Hause bekam ich auch keine richtige Bestätigung etwas wert zu sein. Ich war nur Last.

Und so verringerte sich mein Selbstbewusstsein immer mehr.... Es gab eigentlich nur einen Ort, an dem ich mich wohlfühlte: In der Stammkneipe von meinem Vater. Immer samstags nahm er mich ein bisschen mit. Dort lernte ich auch eine Freundin kennen, mit der ich sehr lange befreundet war, mich allerdings auseinandergelebt habe. Die Erwachsenen in den Kneipen waren jedenfalls alle so lieb zu mir, das war ich so gar nicht gewohnt. Und das habe ich auch gebraucht. Doch die Zeit hörte auch wieder auf.

 

Denn ich kam auf die Realschule…und wie es mir in meinem Leben noch so erging, kann man in meiner autobiografischen Kurzgeschichte lesen, die allerdings sehr verharmlost ist. Dazu kann man sich noch Selbstmordgedanken und Mobbing jeglicher Art denken.

Und die Tatsache, dass ich mit 16/17 wieder angefangen habe in die Kneipe zu gehen fehlt ebenfalls. Das hat mich auch sehr geprägt. Ich habe viele Menschen kennengelernt, auch solche, die ich eigentlich schon kannte, und vor allem waren dort keine Kinder. Keine Jugendlichen. Keiner, der mich fertig gemacht hat. Alle sind dort um die 40/50 Jahre alt. Und die Kneipe ist eines der wenigen Orte, an denen ich mich wirklich zu Hause fühle. Mit all. den Menschen und ihren Geschichten. Mit den Erlebnissen. Mit denen, die es nicht mehr gibt wie den damaligen Wirt und die letzte Bedienung, die vor den Zug gesprungen ist.

Die Kneipe ist mein Ausgleich zum restlichen Leben. Es reicht schon, wenn ich drin sitze und eine vertraute Stimme hören darf. Womit ich nicht klarkomme ist der Tod und die Tatsache, dass alle meine Freunde dort früher sterben werden als ich…

Die Kneipe ist übrigens auch die Stammkneipe von U. Aber das macht mir nichts aus. Es ist die einzige Bindung, die ich zu meinem Vater habe.

 

Als Schlusssatz meiner „Biografie“ möchte ich noch betonen, dass ich trotz all meiner sozialen Schwierigkeiten immer paradoxerweise versucht habe mich nicht festzulegen und an das gute im Mensch geglaubt habe. Sicherlich habe ich Vorurteile. Aber die sind nicht so festgelegt, dass man mich gar nicht vom Gegenteil überzeugen könnte.

 

 

 

 

Mittwoch, 30. september 2009

2.3 Nach einer wahren Geschichte

 

 

 

 

Donnerstag, 1. oktober 2009

Wolfskinder

 

Unser aktuelles Thema sind momentan die Wolfskinder. Als Hausaufgabe sollten wir ein paar Fälle von solchen Kindern herausfinden. Ich habe mir ein paar Sachen durchgelesen..ich hätte mehr schreiben können, aber meine Gedanken fragen sich eher andere Dinge und sind vermutlich wieder einen Schritt weiter...vermischen Pädagogik und Psychologie.

 

In den letzten 700 Jahren wurden 50 Fälle von Wolfskindern dokumentiert.

Das sind Kinder, die nicht so von Menschen erzogen worden sind, wie es normalerweise der Fall ist. Sie wurden eingesperrt, isoliert, vernachlässigt und sogar von Tieren erzogen wie zum Beispiel Amela und Kamela, die von Wölfen aufgezogen worden sind.

Wolfskinder werden sehr oft für Forschungszwecke missbraucht. Wissenschaftler gieren gerade zu danach. Und wenn ihre Projekte nicht mehr mit Geld unterstützt werden, schieben sie die Kinder ab und scheren sich nicht weiter darum. Man reißt sie aus einem Umfeld ins nächste wie „Genie“. Man reißt Amela und Kamela von den Wölfen weg, was beide nicht überleben. Menschen denken eben, dass man als Mensch nur unter Menschen leben kann und Tiere in Hinsicht Erziehung minderwertiger sind. Wir sind ja die „Genies“. Dass Anpassung manchmal unmöglich ist versteht niemand.

 

Mir tun sich viele Fragen auf, wenn ich so über die Wolfskinder nachdenke. Sicherlich sind das alles extreme Ereignisse, aber was ist mit den „harmlosen Fällen“, die auch einen Menschen prägen?

Wie zum Beispiel ist es, wenn man alles bekommt – bis auf Liebe und Verständnis? Man gibt dem Kind essen und kümmert sich zwar in der Hinsicht schon liebevoll um es, aber alles, was darüber hinausgeht, wie zum Beispiel das Reden über Probleme und seelischen Schmerz…was ist, wenn ein Kind ohne diesen Austausch aufwächst? Und noch schlimmer: Immer gesagt bekommt, dass es sich „alles nur einbildet“. Das Kind wird sich dumm und unverstanden vorkommen, wird leiden, weil es doch einen Schmerz fühlt, den es aber nicht kennt. Und keiner wird ihm sagen, was das ist, weil es das anscheinend gar nicht geben soll.

Den Eltern ist wohl nicht klar, dass sich so das Kind als Erwachsener niemals in einer Beziehung zurechtfinden wird und somit beziehungsunfähig ist. Als Eltern sollte man eine Bindung zum Kind aufbauen und nicht dafür sorgen, dass es Angst hat etwas zu sagen. Zu reden und dem Innersten Freiraum zu geben.

Und jetzt kommt das Komplizierte: Was ist mit dieser in uns eingebauten Sehnsucht nach anderen Menschen? Können diese Kinder in dieser von Liebe und Beziehung geprägten Gesellschaft überhaupt überleben, wenn sie in diesem Sinne keine Liebe und Gefühle kennen? Wenn sie sich trotz der fehlenden Liebe nach sozialen Kontakten sehnen und gleichzeitig auch den anderen beim Leben zusehen…aber sich nicht fallen lassen können, weil die Eltern damals etwas schreckliches im Kind ausgelöst haben. Und das werden diese Eltern vermutlich nie erfahren, denn das Kind spricht die Sprache der Gefühle nicht bzw. traut sich nicht sie zu sprechen…

 

 

 

 

Samstag, 10. oktober 2009

„Hey, ich brauche Zuwendung!“

 

Jedes Kind braucht in seiner Entwicklungsphase eine Bezugsperson, einen „Hafen“, in dem es sich sicher, zu Hause, fühlt. Wo es Rat bekommt und Vertrauen gewinnt. Wenn sich das Kind emotional nicht aufgenommen, geradezu auf sich alleine gestellt fühlt, kann das zu späteren psychischen Störungen führen. Je nach dem, wie die Erziehung verlaufen ist. Ob es nur „harmlos“ ein bisschen zu wenig Liebe bekommen hat, oder ob es Extremen durchmachen musste wie zum Beispiel Misshandlung, Schläge, sexueller Missbrauch,…

 

Ich gehöre da eher zu den harmlosen Fällen, kenne aber einen solchen Extremfall. Sie ging damals in meine Klasse an der Hauptschule und wollte oft mit Aggression alles lösen, weil sie es von zu Hause aus nicht anders kannte. Zum Teil hatte dieses Mädchen aber einen großen Gerechtigkeitssinn. Andererseits wiederum war sie ziemlich psychisch am Ende und wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte. Sie macht gerade ihre Schule fertig, da sie die Werkrealschule damals nicht geschafft hat, und versucht in die Altenpflege einzusteigen, da ihr das immer Spaß gemacht hat. Denn komischerweise war sie, obwohl sie es von zuhause nicht kannte, sehr sozial. Also ein Mensch im Ungleichgewicht. Gerade geht es ihr aber gut, so viel ich weiß.

 

Ich wiederum hatte alles. Reize, eine Mutter, sie sich um mich gekümmert hat, versucht hat Liebe zu geben. Allerdings konnte ich mit ich über gar nichts reden, weil Gefühle und das, was in meinem Kopf vor sich geht bei ihr unter die Kategorie „Einbildung“ fällt. Lange Zeit habe ich das geglaubt und mich selbst dafür gehasst, weil ich trotzdem Gefühle hatte. Und ich kann ihr zwar momentan nicht das Gegenteil beweisen, weiß aber heute, dass es anders ist. Dass das, was wir fühlen und träumen keine Einbildung in diesem Sinne ist.

Nach und nach habe ich so das Vertrauen zu meiner Mutter verloren. Zu meinem Vater U. bestand sowieso nie eine Bindung und wo sollte ich auch hin? Heute bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich weder wirklich Freunde, noch eine Familie haben will. Mit Sicherheit gibt es Leute, die ich sehr mag und die mich mögen. Doch da dass lange Zeit nicht so war, fällt mir Vertrauen schwer.

Das hört sich, so wie es da steht, sehr extrem an. Aber es ist gar nicht so. Ich versuche so offen wie möglich zu sein und nicht jeden Menschen auf Anhieb zu verurteilen.  Und dass, obwohl ich mein halbes Leben lang Mobbingopfer war und es nie wirklich eine Bezugsperson für mich gab. Jemanden, der mich lobt, der mich auf den richtigen Weg bringt. Stattdessen war ich emotional gesehen auf mich alleine gestellt. Bin ich heute auch noch, aber mittlerweile kann ich damit besser umgehen, auch wenn diese verdammte Sehnsucht nach Menschen immer wieder kommt und mich aus der Bahn wirft. ->Der Mensch, ein soziales Wesen

 

Ich habe ziemlich wenig Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend. Sie war mir immer verhasst gewesen. Und damals hatte ich nicht das Bewusstsein, mich an schöne Dinge zu erinnern, mich auf etwas zu freuen. Alles war grau in grau. Ich war wortwörtlich eine leere Hülle, durch die der Schulstoff sowie Heftführung und der Hass meiner Mitmenschen durchfiel. Ich versuche das alles momentan zu rekonstruieren, aber da ist nichts mehr bis auf einzelne Frequenzen. Als hätte ich gerade erst angefangen zu leben. Jeden Tag aufs Neue...

 

Dieter zum Beispiel (ein guter Freund von mir) ist ohne seine Eltern aufgewachsen, da diese sehr früh gestorben sind. So wurde er also bei seiner Tante groß. Als Jugendlicher fing er dann mit dem Trinken unter Kumpels an und muss wohl so frustriert gewesen sein, dass er immer weiter trank. Er lernte seine Frau kennen, heiratete, bekam eine Tochter, und verlor alles auf einmal: Job, Frau und Kind, Wohnung. Er trank also weiter. Und heute ist er an einem Punkt, an dem das extrem krankhaft ist. Er hat zwar einen gesicherten Job, eine Wohnung, aber immer Schulden, keine Frau. Sei Leben besteht nur aus schlafen, arbeiten, saufen. Er hat weder Hobbys noch Interessen. Eigentlich schade, da ich ihn für eine sehr intelligente Person halte. Man kann sich mit ihm normalerweise sehr gut unterhalten, wenn nicht gerade alles von Alkohol überschattet wird.

 

Nun noch ein paar Takte zum Unterricht:

Ich habe das Kapitel mit der Bezugsperson etwas anders interpretiert. In der Schule meinten alle, dass dieses „anders sein“, also die Folgen unzulänglicher oder fehlender Erziehung, was in Extremfällen sogar zu Wolfskindern oder zum Tod führen kann, darauf beruhen, dass die Mutter zum Beispiel nicht da ist. Einkaufen, Feiern, egal. Einfach nicht zu Hause. Am liebsten hätte ich an dieser Stelle dementiert, denn meine Mutter WAR da. Aber eben nicht so, wie ich es gebraucht hätte. Zum Reden. Zum Fragen stellen. Zum Sachen erklären lassen.

Ich rede heute nicht mit ihr über solche Sachen, die ich nicht weiß. Ich habe andere Quellen; meine wenigen Freunde aus der Kneipe, mit denen ich über Gott und die Welt philosophieren kann.

Erstaunlich, wie sehr einen das alles prägt…ich bin zwar offen, habe aber trotzdem wenig Vertrauen in meine Mitmenschen. Ich höre mir gerne ihre Meinungen und Geschichten an, erzähle auch sehr viel von mir, da ich auch viel erlebe bzw. andere Sachen. Denn ich schwimme eher gegen den Strom.

 

PS: Was mir noch aufgefallen ist: Ich bin irgendwie gedanklich was die Pädagogik angeht zu weit. Jedes Mal greife ich gedanklich Fragen auf, und stelle Dinge fest, die genau im nächsten Buchkapitel so stehen. Ich bin nur gespannt, wie die Klausuren aufgebaut sind…den vom Prinzip her verstehe ich alles, was da steht. Nur ich weiß noch nicht genau, ob meine Erklärungen ausreichen werden oder ob ich eine Fallgeschichte richtig interpretieren kann.

 

PS²: Wir sollen in diesem Schuljahr ein Fachbuch lesen, welches wir uns selbst aussuchen dürfen. Ich habe bis jetzt nicht so viele gute Pädagogik/Psychologie-Bücher gelesen. Nur „Wenn Frauen zu sehr lieben“ von Robin Norwood. Dafür war das aber auch eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.

Jedenfalls habe ich mir schon ein Buch ausgesucht: „Die Psychoanalyse des Alkoholismus“

Und dann möchte ich noch "Murphys Gesetz" und etwas von Freud lesen..., aber erst einmal reicht das erste, weil es auch gerade ziemlich aktuell ist. Nicht, was mich betrifft, aber meine lieben Thekenfreunde mit ihren Geschichten vom Alkohol…

 

 

 

 

Donnerstag, 15. oktober 2009

Der Bahnhof des Lebens - Meine Theorie...

 

Synapsenbildung war das erste Wort, das mir heute Morgen im Bus in den Sinn kam. Und daraus entwickelte sich folgende Theorie. Ich habe sie bisher noch nie irgendwo gelesen, werde allerdings meinen Lehrer fragen, ob er das schon einmal irgendwo gelesen hat. Ich will ja nichts klauen.

 

Also:

Synapsenbildung. Kann man sich eigentlich vorstellen wie ein Schienen-Netz, welches bei jedem Menschen vorhanden sein sollte. Zwar etwas wirr, aber die Teile fügen sich im Laufe des Lebens zusammen und das Ergebnis nennt man Wissen. Am Anfang sind sie noch weitgehend „unbefahren“ und dünn. Im Laufe des Lebens werden allerdings die stark "befahrenen" immer mehr gefestigt, während die wenig befahrenen zum Teil verkümmern. Je nach dem, auf was man sich spezialisiert, was einem wichtiger ist, in welche Richtung der Mensch denkt, wie sein Charakter ist.

Wenn man also ein Mensch ist, der sich sprichwörtlich jede Seite der Medaille ansieht und sich nicht auf Klischees beruft, die angeblich aussagen, was verrückt und normal, richtig und falsch ist, sondern das alles auf seine Weise selbst erfährt, so sollte man meiner Theorie nach mehr Erfahrung haben, als andere. Man hätte ein größeres Schienennetz.

Das würde auch erklären, warum Kinder so neugierig und "naiv" sind. Das schlechte wird ihnen im Leben oft genug begegnen. Die Kunst ist, sich nicht in ein Schienennetz zu verstricken, sondern jeglicher Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen. Beginnt ein Mensch, sich etwas einzureden, so werden andere Schienen vernachlässigt und er sieht nur noch sein kleines Netz und wird nur schwer verstehen, dass es da noch andere Dinge gibt. Dass dieses Einreden nicht unbedingt gut und die einzige Sichtweise ist. Und je mehr man sich etwas einredet, desto schwerer kommt man davon weg. Es kann also alles im Leben richtig und alles falsch sein. Je nach dem, wie man es auslegt und auf welchen Schienen man gerade fährt. Es lässt sich zwar nicht vermeiden, dass man sich festlegt oder nur die eine Seite des Bahnhofs befährt, aber hier gilt es die Weichen auch einmal anders zu legen, sich zu überlegen, ob es wirklich nur den einen Weg gibt, wer eigentlich die Regeln macht und vor allem wie die Gesellschaft tickt und nicht tickt.

 

Murphys Gesetz lässt sich auch ganz leicht mit meiner Schienen-Theorie begründen. Verfährt man sich auf der Leidensschiene und beginnt sich hineinzusteigern, so wird man für alles andere blind. Und man fährt nur noch auf mehr Leid zu. Man sieht nur noch das Schlechte und interpretiert alles auf dieser Schiene negativ.

Die Frage ist, ob das auch umgekehrt funktioniert. The Secret, LOA,...diese ganzen Unterbewusstseinsbücher fahren auf der positiven Schiene. Also müsste das auch funktionieren. Aber dann wiederum nur dadurch, sich Dinge einzureden und Negatives auszublenden. Allerdings ist das auf Dauer auch nicht optimal…und ob man von einer Schiene auf die andere springen kann und auf einmal alles so läuft, wie man es sich vorstellt, bleibt weitgehend unbeantwortet. Subversion durch Affirmation?

 


 

 

Montag, 2. november 2009

„Wir können die Wirklichkeit so wie sie ist nicht wahrnehmen.“

 

Diese Aussage fiel heute von meinem Lehrer in Zusammenhang mit „Biologie“ und Erziehung. Mir sind dazu jedoch im Kopf noch Millionen andere Dinge eingefallen. Ich muss allerdings auch zugeben zu dem Zeitpunkt gerade in der hochphilosophischen Phase gewesen zu sein…

 

Ich bin nach einigem Hin- und Herüberlegen während des Unterrichts jedenfalls zu dem Schluss gekommen, dass diese Aussage dringend revidiert werden sollte.

Wenn man lange genug über das Thema Wirklichkeit und Illusion, Schein und Sein,  nachdenkt, wird einem nämlich auffallen, dass es die „Wirklichkeit“ gar nicht gibt, sondern auch nur eine Illusion ist. Das ist mir bereits aufgefallen, als wir das Wort „Kultur“, bzw. den Menschen als Kulturwesen, durchgenommen haben.

Mit diesen wunderbaren Begriffen, zu denen „Gesellschaft“ auch noch dazu gehört, ist es doch im Grunde genommen wie mit richtig und falsch. Wie mit normal und verrückt.

Wenn ich die einfachen Leute, auf die man unterwegs so trifft, ärgern will, frage ich sie also entweder nach dem Sinn des Lebens oder nach dem Begriff „normal“ – Was ist normal?

Und es gibt wirklich einige, die behaupten das zu wissen. Bei denen die Suggestion von allen möglichen Dingen wirklich funktioniert. Diese Leute wollen eigentlich gar nicht  wissen, was normal ist. Ich nehme auch an, dass sie denken, dass die „Wirklichkeit“ wirklich existiert. Zumindest in der Glotze...

Eigentlich gibt es sie ja schon, die Wirklichkeit. Nur ist sie eben, wie bei dem Versuch zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, relativ. Ansichtssache. Aber niemals kann man behaupten dass es den einen "richtigen" Weg gibt. Ein Leben, das genau die Wirklichkeit, das Sein darstellt. Natürlich suggerieren hierbei ganz schön die Medien. Die uns zwar einerseits Tatsachen zeigen (schlechte Nachrichten zum Beispiel) und als Kontrast die Welt der Schönen und der Reichen und der ganz schön Reichen. Und natürlich die realitätsnahen Filme und Serien. Ja, das ist die Wirklichkeit, das richtige Leben! Das ist unsere Gesellschaft. Das scheint das Leben zu sein, dem jeder hinterherhechelt. Und es muss noch nicht einmal Geld oder Schönheit sein. Letztendlich ist es selbstverständlich "nur die Liebe[, die] zählt".

 

Sein oder nicht sein…das ist hier die Frage!

Und ob das alles im TV und in der "Gesellschaft" nur Schein ist, interessiert keinen. Denn es hat ja jeder so zu sein. Aber das wirkliche Sein ist das, was wir sehen. Nicht im Fernsehen, sondern es ist etwas, wo wir mittendrin stecken. Und jeder lebt somit in seiner eigenen Wirklichkeit. Das macht den Menschen (zumindest im natürlichen Sinne) zu einem Individuum.

Und erst durch Erfahrung lernt man dieses Zwischenspiel zwischen Kopf und den äußeren Einflüssen wie der Kultur sinnvoll zu erkennen. Fragt sich nur wieder, was denn nun so sinnvoll an allem um uns herum ist; was denn überhaupt der Sinn vom Ganzen ist...

 

Es wird jedenfalls meiner Meinung nach nie das Sein, die Wirklichkeit, in dem Sinne von etwas Absolutem geben. Genauso wie mir zwar jeder sagen kann, was er für normal hält, aber nicht, was normal ist.

Ich persönlich behaupte gerne, dass normal ein in der Gesellschaft liegender Richtwert ist. Natürlich widerspricht man mir. Es ist doch nicht normal, wenn man nicht TV sieht! Es ist doch nicht normal, wenn man nicht mit jungen Leuten zurecht kommt! Es ist doch nicht normal, wenn man mit dieser und jener Person redet! Benimm dich normal!

Es würde mich nicht wundern, wenn irgendwo gerade einer zusammenbricht, weil er sich nicht für normal hält und die Gesellschaft ihm das Tag für Tag "verdeutlicht".

 

Ich habe schon die kuriosesten Definitionen für "normal" gehört... Aber immerhin  geben mir die Künstler noch recht...

 

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Kommentare

 

Wirklichkeit, so wie sie 'ist' - meine Meinung: jeder konstruiert sich seine Wirklichkeit. Diese Konstruktionen sind solange relativ (!) beliebig, bis man in der Umwelt auf ein deutliches 'Nein' stößt (bspw. ein sogenanntes Naturgesetz). Dieses 'Nein' ist dann nicht in seinem wahren 'Sein' zu erkennen, denn das würde eine absolute oder reine Erkenntnis der Wirklichkeit voraussetzen, aber sie signalisiert, dass es so etwas wie eine Wirklichkeit gibt (auch wenn wir sie eben nicht vollkommen erfassen können; das würde ein Sein oder einen Standpunkt außerhalb unserer Wirklichkeit erfordern), an der man mit seinen Konstruktionen scheitern kann. Ansonsten würde man beim Solipsismus enden.

Kommentarnr1 gepostet von MS am 12.11.2009 um 20h04

 

Ich kenne es eben nicht anders. Als Kind habe ich noch auf dieses "Nein" gehört bzw. ich habe nicht weiter groß darüber nachgedacht. Aber heute höre ich nicht auf jedes "Nein", das man mir an den Kopf wirft. Ich hinterfrage es. Und wenn mir der Gegenüber keine guten Gründe nennt, weshalb ich meine eigene, vermutlich leicht angehauchte solipsistische Denkweise überdenken soll, dann höre ich da ehrlich gesagt auch nicht so wirklich darauf. Ich kann selbst auch nicht alles begründen, was mich mache oder woher dieses und jenes Gefühl kommt. Aber ich versuche zumindest irgendwie Zusammenhänge zu finden.

Natürlich schwimme ich nicht permanent gegen den Strom und lebe in meiner eigenen Welt. Manche "Neins" kann ich auch nachvollziehen ohne sie zu hinterfragen. 

Trotzdem mache ich lieber vieles ganz anders als Gleichaltrige. Und meine Lebensweise mag auch nicht normal für die "Nein"-Sager oder für die Gesellschaft sein. Aber würde ich auf jedes „Nein“ hören und nicht darüber nachdenken, so würde ich wie viele andere  in dieser Gesellschaft enden, die zu mir zwar "Nein" sagen, es aber letztendlich nicht begründen können.  "Ja, weil man das eben nicht macht. Das ist halt so." Damit gebe ich mich nicht zufrieden.

Und ich kann auch nicht sagen, ob das stimmt, was ich schreibe, aber es steht mir frei meine Meinung zu äußern.

Um nochmal auf dieses deutliche "Nein" zurückzukommen: Wenn man es in meinem Fall als wirklich gutes Argument sieht, trifft Ihr Kommentar auch auf mich zu.

Antwort von Journey am 14.11.2009 um 09h35


Ich meinte nicht nur gesprochene 'Neins', bzw. menschliche Handlungen, die mir als 'Nein' entgegentreten, also 'Neins' im wörtlichen Sinn. Wobei: Beleidige ich mein Gegenüber und erhalte als Antwort eine Ohrfeige, so erfahre ich, dass es außer meinem Ich noch andere bewussstseinsfähige Systeme gibt (!).

Ein noch einfacheres Beispiel: nehme ich eine Pistole und schieße mir in den Fuß, so bekomme ich doch einen ganz guten Hinweis auf das, was wir Wirklichkeit nennen. Sicher: Schmerz ist vermutlich auch nur eine besondere Konstruktion unseres Gehirns. Nehme ich aber die Pistole und ziele auf lebenswichtige Organe, erhalte ich, ohne Rettung, einen deutlichen und letzten Hinweis darauf, dass es so etwas wie eine 'Wirklichkeit' unabhängig von unseren Konstruktionen gibt.

Dem allem kann man einen reinen Solipsismus entgegenhalten. Dieser entkräftigt letztlich jedes Argument für eine wie auch immer geartete Realität. Jede Erfahrung, die ich als 'echte' Erfahrung wahrnehme, sollte dann zu einer  Oszillation führen, die sich nicht mehr beruhigen kann (eine Oszillation zwischen Erfahrung und abgeschottetem und singulärem Bewusstsein) - interessant :) (Notiz an mich: ist weiterzudenken)

Dinge, Denkweisen, Handlungen, Meinungen etc. zu hinterfragen ist sicher nicht selbstverständlich. Dabei scheint es doch sehr lohnenswert zu sein (wenn ich mir durchlese, was auf Deinen Seiten so alles steht).

Kommentarnr2 gepostet von MS am 16.11.2009 um 19h08

 

Ich glaube der Begriff Wirklichkeit wird immer verwechselt. Die Wirklichkeit wird für etwas tatsächliches gehalten. Wirklichkeit sagt nichts anderes aus als "wie etwas auf mich wirkt". D.h. nicht, dass es "wirklich"so ist.

Kommentarnr3 gepostet von carsten am 11.01.2012 um 14h35

 

 

 

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