Journey...Alles-und-Nichts

03.10.08, Freitag

, 06:50am

Ein Schritt in Richtung Liebe mit Bleigewichten an den Füßen


Nach dem gestrigen Tag redete ich natürlich kein Wort mehr mit meinem Dad. Und ich war froh, dass meine Mum den ganzen Tag nicht da war, denn sonst hätte sie mich gezwungen zu Mittag zu essen. Und dann müsste ich ihm begegnen. So aß ich also den ganzen Tag nichts und schlich mich ungefähr um 18 Uhr aus dem Haus. Es war ein befreiendes Gefühl einfach zu gehen ohne Tschüss zu sagen. Wozu sollte ich auch etwas sagen? Diese Person war mir nun fremder denn je.


Bevor ich ins Nest ging musste ich allerdings noch etwas essen. Ich bestellte also eine Currywurst mit Pommes und alle sahen mich komisch an nach dem Motto: Was sucht denn so jemand im Kochlöffel?! Besonders der Mann neben mir sah mich schockiert an. Und als ich dann noch die Frechheit besaß nicht alles zu essen, weil mir auch die halbe Portion gelangt hätte, war er noch schockierter. Ich weiß, was die alle denken: „Oh Gott…die ist magersüchtig.“

Ich erwischte das perfekte Timing, denn im Nest saßen Jo und A. Der Wirt begrüßte mich sofort: „Ahhhh! Da kommt meine beste Freundin!“ Und ich war euphorischer denn je, weil ich nun zu Hause war und man mich hier gerne sah.

Ich hatte noch nichts bestellt, nur meine Jacke ausgezogen und aufgehängt, da kam Jo schon auf mich zu und meinte: „Knutschen?“ Ich dachte erst nach und wartete erst ab, was er damit eigentlich meinte. Dann fügte er hinzu, weil ich ihn immer noch ansah und nichts sagte: „Ich bin zwar erkältet, aber wenn’s dir nichts ausmacht können wir trotzdem knutschen...“ Ich sagte „Macht nichts“, ging auf ihn zu und es kam das typische Küsschen-links-Küsschen-rechts. Dann fragte er mich nach U. und ich meinte nur abwertend, dass der daheim vor dem Fernseher säße und wohl nicht kommen würde. „Aber einer von euch kommt immer...“ meinte er grinsend. Ich sagte ihm, ich wäre gestern auch liebend gerne zu Sabrina gekommen, aber U. hätte es mir verboten. Und meinte er nur, der sei halt betrunken gewesen. Für Jo ist das anscheinend immer eine Entschuldigung.

Ich bestellte ein Schorle, die beiden Männer ebenfalls. Und so stießen wir an. An unserem Tisch, der an die Theke grenzt, saß noch jemand. Ein blonder Mann, der mich irgendwie erwartungsvoll ansah. Er kam mir bekannt vor. Ich konnte mich jedoch nicht daran erinnern, dass wir uns jemals vorgestellt wurden, also hatte ich kein schlechtes Gewissen, als mir der Name nicht einfiel. Ich ließ mir allerdings nichts anmerken. Immerhin kannte er mich. Und meine Mum würde jetzt sagen: „Das reicht auch.“

A. begann dann sofort von einem Haus mit einer Bar zu erzählen, das er gemietet habe. Er würde daraus eine Privatkneipe ohne Einnahmen machen. Jo meinte, das würde nie und nimmer klappen. Bevor sie jedoch zu streiten anfingen, kam der Wirt auf uns zu und meinte zu A., er solle nachher nett zu der „kleinen“ Bedienung Sara sein. A. wusste überhaupt nicht, wer das sein soll und ich sagte: „Oh man, das weiß ja sogar ich!“ Jo grinste nur und meinte zu mir „Du bist ja auch andauernd hier!“ worauf ich sagte: „Du ja auch…“

Jo zog sich nun an den Automaten zurück und ließ mich mit A. alleine. Ich fragte ihn, ob das nicht teuer sei, ein Haus zu mieten und dann noch die Miete für seine eigene Wohnung zu bezahlen. Er verstand einfach nicht, was ich meine und ich wurde langsam immer genervter, weil ich die Frage nicht noch verständlicher formulieren konnte. Jo rief ihm vom Automaten aus zu: „Lass meine Freundin in Ruhe.“ Und dann griff A. ihn an und ich meinte: „Hey, lass meinen Freund in Ruhe!!“ Das schockierte alle, weil ich wohl im Vergleich zu Jo noch nüchtern war. Der Wirt  fragte Jo daraufhin etwas und ich hörte ihn antworten: „...das muss sie selber wissen...“ Und dann sah mich der Wirt an und meinte gespielt verzweifelt: „Klär mich auf!“ Und ich sah Jo an und er mich und dann sah ich wieder zum Wirten rüber und meinte: „Tja…er ist mein Freund.“ Und Jo kam daraufhin zu mir und meinte: „Nein, ich bin der Freund deines Vaters!“ Und ich sagte: „Der ist aber verheiratet.“ A. ging es auf die Nerven, dass ihm niemand mehr zuhörte und er meinte nur sarkastisch „Ach nee, das hätte ich nie gedacht...er ist verheiratet?“ worauf ich ihn böse ansah und er wieder meinte, dass ich mir meine Rehaugen sparen könne. Ich flatterte demonstrativ mit den Augenlidern und fragte mit zuckersüßer Stimme um ihn zu provozieren. „Welche Rehaugen denn?“

Und das war noch nicht einmal das sinnloseste Gespräch, das ich an diesem Abend führte. Jo fragte mich daraufhin, was aus Amerika geworden sei und fügte noch hinzu, ich sei zu feige um Villingen zu verlassen. Und ich sagte nein, das sei noch in Planung und die Frau, der ich geschrieben habe käme diesen Monat. Und er meinte, ich würde das nicht machen. Ich sagte: „Doch, denn dann heiratest du mich, wenn ich wiederkomme.“

Jo sah mich stirnrunzelnd an und meinte nur: „Oh Scheiße...“

Ich: "Du machst mir jedes Mal Heiratsanträge!!"

Jo: „Ach, das war doch nur das eine Mal...“

Ich: „Nein...du solltest dir mal merken, was du sagst. Ich kann das, auch wenn ich noch so betrunken bin."

Der blonde Typ fand unser sinnloses Gespräch hochinteressant und meinte nur: „Ist der nicht ein bisschen zu alt für dich?“ Ich antwortete ihm „29 Jahre“ und er sah mich verblüfft an und fragte mich, wie alt ich denn sei. Ich antwortete ihm „18.“

Jo: „Jaja...aber du fliegst nicht nur deswegen hin?!“

Ich: „Nein, natürlich nicht...ich will auch selber hin.“

Jo: „Also wirst du das machen?“

Ich: „Ja, ich hab's dir ja versprochen.“

Der blonde Typ verabschiedete sich daraufhin, aber ich sah ihm an, dass man mir ansah, dass ich verliebt sei. Und ich dachte mir nur: 'Ist das so auffällig?'


Jo holte an diesem Abend sogar etwas aus dem Automaten. Er spielte für sich und A. und gewann 30 Euro wovon natürlich etwas in Whisky umgewandelt wurde. Den Rest legte er wieder professionell in Geldhäufchen und erzählte uns dabei irgendwas von wegen Gegner im Casino mit den Chips nervös machen, was er noch nicht so gut drauf habe.

Ein Teil wurde wieder als Einsatz genommen und A. und ich saßen wieder alleine da. Ich sagte, ich sei beim Friseur gewesen und er meinte, das interessiere ihn nicht und er würde erst was merken, wenn ich mit grünen oder blauen Haaren ankäme.

Die Tür ging auf und es war wieder der Oberstudienrat. Diesmal allerdings mit seiner Frau, die zwar Oberstudienrätin, aber irgendwie doch das Gegenteil von ihrem Mann war. Denn er begrüßte alle mit dem Wort „Alkohol“, während sie freundlich grüßte und etwas Alkoholfreies bestellte.


A. griff mich wieder einmal in Sachen Liebe an. Ich solle doch endlich mal Gas geben. „Such dir endlich mal nen' 22-jährigen!“ schrieb er mir vor. Und ich meinte: „Zu jung.“

„Dann einen 25-jährigen!“

„Auch zu jung...“

Ich führte mit ihm noch so einige Gespräche, während Jo am Automaten zockte. Er zündete sich zum Beispiel eine Zigarette an und meinte: „Du rauchst ja nicht...“ Ich antwortete: „Nein...nicht wirklich...“ „Gut...was?! Was heißt nicht wirklich?! Lass das!“ Ich sagte dann nichts mehr, weil im Gegensatz zu seinem Zigarettenkonsum meiner nur ein Bruchteil war.

Jo drehte sich auf einmal zu uns fragend um und meinte: „Ich bin besoffn...“ A. gab ihm daraufhin Tipps, welche Kartenreihen er antippen sollte. Und er befolgte die Ratschläge natürlich nicht, was zur Folge hatte, dass er wieder auf Null war.

Er versuchte es aber noch einmal und A. meinte, während Jo beschäftigt war, er wisse, dass ich verliebt sei. Ich stritt es nicht ab. Und er meinte wieder, ich solle mal Gas geben, was auch immer das bedeuten mag.

„Schlag ihn doch mal, “ meinte er als Nächstes, „da steht er drauf!“ Ich fragte ihn, warum ich ihn denn schlagen solle, denn ich war mir sicher, dass Jo genug Schläge von mir bekam. Jo kam natürlich in diesem Augenblick zu uns. Er hat ein brilliantes Gespür dafür, wenn Leute über ihn reden. Er sah uns kurz an und als keiner mehr etwas sagte, meinte, er sei verliebt. Und ich konnte meinen Schock schwer verbergen und fragte ihn, ob er in seine Ex-oder-nicht-Ex verliebt sei. Er legte sich selbst die Hand aufs Herz und meinte, er sei ein Egomane und hält sich die Leute vom Leib. Ich meinte daraufhin: „Mich wirst du dir nie vom Leib halten können!“ Dann meinte er wieder, er sei betrunken.“ Ich meinte: „Das bist du immer. Ich akzeptiere das nicht mehr als Entschuldigung!“ Anschließend gab er mir Recht, damit ich endlich still bin. Nur das wurde ich nicht. Also meinte ich zu Jo „Duuuuu? Fällt dir was an mir auf?“ Und dann verriet A., dass ich beim Friseur gewesen war und grinste. Jo meinte danach natürlich, dass man das doch sofort merken würde.

Ein andermal meinte er: "Ich bin ja so überfordert. Ich muss Alkoholiker, Kettenraucher und spielsüchtig sein...und muss Sex mit dicken Frauen haben..." Dann sah er meinen strafenden Blick und fügte noch hinzu: "Ach ja, und Sex mit schlanken Frauen!" Und auf einmal beugte er sich zu mir vor, sah mich mit einem hypnotisierenden Blick an und sagte mit ruhiger Stimme: „Wir werden Sex haben...“ Und ich fragte so, als könne ich es kaum erwarten: „Wann?“

„Hmmm...wenn ich 89 bin...dann bist du...?!“

Ich rechnete in sekundenschnelle 89-29 und sagte: „60!?“

Jo: „Genau!! Schlag ein, wenn ich 89 bin und du 60, dann werden wir Sex haben!!“

Er hob seine Hand in die Luft, damit ich einschlug und ich ging nicht darauf ein und meinte: „Nein, da bist du doch schon tot!?!“

A. wollte uns die ganze Zeit unterbrechen und Jo meinte nur zu ihm: „Jetzt sei doch mal still, ich flirte gerade!“


Natürlich musste ich mich an diesen Abend wieder mit der tollen Diskussion auseinandersetzten, was ich denn hier in dieser Kneipe zu suchen hätte...

Jo meinte: „Ich verstehe nicht, was so ein junges, hübsches Mädl bei so zwei abgefuckten Typen wie uns sitzt...“ Ich sagte erst die typischen Sachen, dass ich nicht mit Gleichaltrigen zurechtkomme und dass ich einfach lieber hier im Nest wäre als woanders. Und als er das einfach nicht verstehen wollte, meinte ich etwas, was aus tiefsten Herzen kam: „Ich mag euch halt.“ Und A. versaute den Moment und meinte: „Nein, wir wollen keinen Sex mit dir...“ Ich sagte möglichst lasziv: „Das meinte ich damit nicht...“

Jo meinte dann: „Also ich gehe naher ficken...A., was machst du?“ „Ich geh auch ficken...“ Daraufhin sahen mich beide fragend an und Jo meinte, jetzt sei ich dran. Und ich sagte, ich würde hier noch eine Weile sitzen und sehen, was sich so ergibt...“

A.: „Nee, das is scheiße...“

Jo: „Wieso? So leb' ich auch!“

A.: „Na also, passt doch! Ihr solltet mal zusammen ins Parkhotel gehen.“

Ich fragte daraufhin etwas, was A. nicht verstand: „Meinst du das zweideutig?“

Jo verstand das sofort und meinte: „Das wäre dann das MOTEL...und das ist in S.!“


Für Jo war allerdings die Diskussion, warum ich in der Kneipe sitze, noch nicht beendet und er meinte, ich läge rein theoretisch noch in den Windeln. Ich war empört, aber A. kam mir zuvor und sagte zu Jo: „Ach was, die hat doch n' String Tanga an, das seh’ ich ihr an!!“ Ich räusperte mich demonstrativ und zog mein Shirt etwas weiter runter, konnte aber mein Lachen nicht verbergen. A. meinte daraufhin: „Siehst du! Ich hab Recht!“ Jo fing sich wieder von der niveaulosen Wendung des Gesprächs und kam mit dem Argument, ich hätte hier keine Freunde. Ich nannte ihm dann einige Namen. Er lachte mich aus, weil er die Leute, die ich nannte, für verrückt hielt. Ich meinte: „Du, glaub’ mir, ich war schon in eineigen schlimmeren Kneipen. Und da sind die Leute wirklich bekloppt.“ Er war wieder einmal überrascht, dass es noch größere Idioten als ihn gab. Und ich meinte, das sei er nicht und ich wäre gerne mit ihm zusammen. Nach dieser Äußerung meinerseits, die nicht hätte deutlicher sein können wurde er verlegen, weil um uns herum auf einmal alle lachten. Und ich war erst am Anfang vom zweiten Glas und wusste, was ich sagte.

Er meinte wohl, nur weil ich hier sitze, hätte ich kein anderes Leben. Das stimmt vielleicht, aber eben nicht ganz. Ich erzählte ihm vom Kneipentagebuch und er meinte nur: „Scheiße...das kommt alles ins Buch?!“ Und ich nickte enthusiastisch, weil ihm das anscheinend etwas Angst machte. Ich versprach ihm daraufhin seinen Namen auf jeden Fall abzuändern. Zu A., der mich wieder zutextete, meinte Jo nur noch: „Du...äh...Dingsbums schreibt n’ Buch und das was du sagst kommt auch rein...“ Ich war enttäuscht, denn „Dingsbums“ war nicht mein Name…


Irgendwann wünschte A. uns noch guten Sex und sagte dann, er wolle zahlen. Jo meinte: „Du kannst mich doch nicht mit dem Mädl alleine lassen!!“ Und ich grinste nur und wünschte A. einen wunderschönen Heimweg.

Nun war ich also alleine mit Jo und er wollte definitiv nicht mit mir reden. Er drehte sich erst zu R., um mit ihm zu reden, doch der war nicht so gesprächig und da er wieder sinnlose Diskussionen führen wollte, drehte er sich zu mir und meinte: „Gehen wir nachher noch bei mit Absinth saufen!“

Ich: „Okay.“

Jo: „Du zahlst dir dann aber das Taxi nach Hause...“

Ich: „Ach was, für die fünf Meter? Das schaff ich auch so...ich vertrag nämlich was.“

Irgendwie kamen wir dann auf das Thema Handy und ich sah dies als Chance ihm meine Nummer zu geben, also fischte ich den Zettel von letzter Woche aus meinem Geldbeutel und schob ihm den zu. Er sah sich den Zettel an und meinte: „Blümchen und Herzchen???“ Ich fragte mich, wie Blind er eigentlich war, denn in meiner Erinnerung war die „Blume" auf dem Zettel ein Stern. Aber ich sagte ihm, dass das von meiner Freundin sei. Er las den Zettel mit meinem Namen, meiner Nummer und dem Wort ANRUFEN und gab ihn mir anschließend zurück. Dann meinte er zu Sara „Deckel!!“ und wollte abhauen. Ich schrie ihm hinterher: „Was!? Du lässt mich alleine??“ Jo deutete daraufhin auf R. und meinte, der sei auch noch da. Ich sah R. an und er mich und wir waren uns klar, dass wir heute Abend kein Gespräch führen würden.

Jo ging weg Richtung Ausgang und in mir machte es irgendwo Klick und ich stand auf, rannte ihm mit dem Zettel hinterher, drehte ihn zu mir und stopfte besagten Zettel in seine Jackentasche mit den Worten: „Den wirst du noch brauchen...“ Dann sah ich in lächelnd an und er mich und wir umarmten uns. Ich meinte: „Machs gut.“ und er küsste meine Haare dreimal und dann flüsterte er mir ein „Danke“ zu.

Ich war nun der glücklichste Mensch auf Erden, hatte aber noch mein Glas und setzte mich rüber zu meiner Friseurin. Dort saß ich am Rand und hörte mit einem Ohr dem Gespräch zwischen ihr, ihrem Freund, dem Best-Before-Verfallsdatum-Typen und Teesorte zu, in dem es um Möbel ging. Dann zündete ich mir eine Zigarette an und da ich mich immer so verrenken musste um an den Aschenbecher ranzukommen, schob der Freund meiner Friseurin ihn zu mir rüber. Ich schenkte ihm ein dankbares Lächeln.

Es dauerte nicht lange, da sah ich, dass der Best-Before-Typ sich eher aus dem Gespräch ausgelinkt hatte und nahm mein Glas und meine Zigarette und ging zu ihm rüber. Wir unterhielten uns eine Weile und dann kamen wir auf das Thema Jo und er erzählte mir ein bisschen von ihm. Doch als ich meinte, ich wolle bitte mehr hören, fragte er mich mit einem misstrauischen Blick: „Wieso?“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, er wusste von meiner Liebe zu Jo, was nach der Aktion vorher auch kein Wunder war.

Dann klingelte sein Handy und es war seine Frau dran, wie beim letzten Mal. Also kam wieder „Simply the best“ Und nach dem Telefonat fing er an mit mir englisch zu sprechen. Auch über Jo natürlich. Aber genau wie dem Pseudo-Engländer gingen ihm auch auf einmal die Worte aus. Auf Deutsch fiel ihm dann auch nichts mehr zu Jo ein und er sagte: „Nein, ich erzähle dir lieber nichts über Jo...“

Dann zündete er sich eine Zigarette an und fragte, ob ich denn auch rauche, was mich verwunderte, da ich vorhin direkt neben ihm geraucht habe. Ich sagte wie immer das, was ich immer antworte: „Nicht wirklich...“

Ich bestellte mir ein Bacardi Orange, weil ich noch etwas bleiben wollte, da ich sah, wie E. gerade hereinkam. Der Best-Before-Typ sah mein Getränk sehr misstrauisch an und meinte: „Was ist das?!“ Und ich sagte ihm, was das sei. Er war schockiert, dass ich so etwas trinke. Lange blieb ich jedoch nicht mehr bei ihm sitzen, da er sagte, er müsse jetzt gehen. Also setzte ich mich zu E., der sich mit R. unterhielt. E. gefiel mein Getränk auch nicht. Er meinte nur, das würde riechen wie es schmeckt und verzog das Gesicht. Ich stand zu meinem Bacardi Orange, denn mir schmeckte es.

Wir unterhielten uns anschließend über meine Friseurin, die relativ laut lachte. R. meinte, er könne nicht mehr bei den anderen sitzen, weil das zu ertragen zu viel verlangt wäre. Er mag meine Friseurin, ihren Freund und Teesorte zwar, fühlte sich aber in ihrer Gegenwart relativ überfordert.

So kamen wir auf das Wort relativ und E. meinte dann etwas wie „Drei Haare auf dem Kopf sind relativ wenig im Gegensatz zu drei Haaren in der Suppe.“ um das Wort auf einfache Weise zu erklären. Ich fand diesen Spruch toll und schreib ihn mir auf. R. erschrak sichtlich, als ich meinen Block aus der Tasche holte und zu schreiben begann. Er meinte anerkennend, als er meine Schrift sah: „Das muss man aber auch lesen können...“ Ich lächelte und meinte, es reiche, wenn ich das kann. Es war eine der wenigen Male, an denen ich mich nett mt ihm unterhielt.


Lange blieb ich jedoch nicht mehr. Ich trank aus, zahlte und verabschiedete mich von E. und R. Dann ging ich zu meiner Frisurin, um mich von ihr zu verabschieden. Sie fand meine Frisur toll und ich bedankte mich noch einmal bei ihr, weil das bisschen Veränderung am Pony viel ausmachte. Eigentlich wollte ich mich noch von ihrem Freund verabschieden, aber der war gerade im Gespräch, also ging ich eins weiter zu Teesorte und meinte: „Ciao! Und nimm’s nicht so ernst mit den Männern...ich bin leider auch in ein Arschloch verliebt“ Daraufhin strahlte sie übers ganze Gesicht und meinte: „Ich weiß.“ Ich war etwas verwundert über ihr Wissen, erzählte ihr dann aber von meiner Herz-Theorie. Wenn man sein eigenes Herz jemandem schenkt, dass dieser entweder seins rausreißt und dir dieses gibt oder er deins mit sich schutzlos herumträgt und es dir irgendwann zerschrunden zurückgibt. Denn man kann zwar ohne Herz rumlaufen, aber nicht zwei auf einmal in sich tragen. Teesorte, die genauso einen Sinn für Melodram hat wie ich, fand das natürlich entzückend und dankte mir für diese kleine Anekdote.



Dear Diary,

dieser Tag war ereignisreicher als es sonst ein anderer hätte sein können. Denn ich habe Jo meine Handynummer gegeben. Es kostete mich viel Überwindung, aber ich hab es getan...und nun kann ich glücklicher nicht sein. Es ist ein großer Schritt in Richtung Liebe. Und egal wie es ausgehen wird. Es wird mein Leben sein und ich bin selbst dafür verantwortlich. Ich weiß, dass ich die Namen hier größten Teils umändern musste. Aber das ändert nichts am Charakter. Egal ob ich nun Julia, Linda, Claudia, Dingsbums, Mädl oder sonst wie genannt werde. Ich werde in meinem Herzen immer jemanden darstellen. Und egal welchen Namen ich trage. Ich bin ich. Und das Ich lässt sich nicht in einen Namen fassen.

 

Ende Kneipentagebuch