Journey...Alles-und-Nichts

Therapiestand

10. April 2013, 19:45pm

Veröffentlicht von Journey

Meine Therapie geht nun zum Glück weiter, da ich ja erst einmal auf das Ok der Krankenkasse warten musste.

Die aktuellen Themen sind (nach wie vor) das Monster in mir mit den Aggressionen und dem kindlichen Trotz, mein ADS, mein Selbstwertgefühl + der Umgang mit Kritik von anderen, meine „Wochenenddepression“, etc. und neu dazukommen wird wohl die liebe „Arbeitswelt“...denn die macht mir gerade extreme Sorgen und verursacht eine unerträgliche Unsicherheit in mir...

 

Glück?

Ich schätze, ich gehöre zu den vielen vielen Menschen, für die Glück einfach nicht fassbar ist. Meine Suche im Leben dreht sich aber nun mal um dieses Unfassbare und um die Suche und den Weg dorthin. Als wäre das Leben nicht ein Ganzes, sondern nur ein Vorreiter für „das Glück“. Und die Erkenntnis zu verinnerlichen, dass es doch nicht so ist, ist sehr schwierig. Vielleicht habe ich deshalb auch mein Leben an das „unerreichbare“ Ziel geklammert, ein Buch zu schreiben, bekannt zu werden, meine Gedanken jedem offen darzulegen. Ich weiß, es ist das schwierigste überhaupt, aber es ist mein Ziel, mein Leben. Ohne es, wäre ich vermutlich sehr sehr selbstmordgefährdet und darum halte ich mir auch immer wieder vor Augen, wozu ich eigentlich hier bin…doch…was wird wohl geschehen, wenn ich es tatsächlich erreiche? Dieser Gedanke macht mir irgendwie auch Angst, weil ich ihn als die Erfüllung meines Lebens ansehe…

 

Glücklichsein ist für mich die Tatsache, für andere einen Sinn zu erfüllen, einfach einen Beitrag zum Ganzen zu leisten, da ich es für mich selbst irgendwie nicht auf die Reihe bekomme…man siehe: Wochenenddepression…

Wenn ich arbeite, fühle ich mich oft wohler als zu Hause. Denn zu Hause lauern die großen Aufgabenberge und das schlechte Gewissen, das mir sagt, ich sollte mehr lernen (weil ich zu doof bin), mehr im Haushalt helfen, mehr von diesem, mehr von jenem tun und lassen. Und das ist deprimierend; besonders, wenn ich Mr. Chocolates Motivation sehe. Das mag nun hart klingen, aber es zieht mich schon extrem runter, ihn so unglücklich zu sehen. Also was mache ich dann abends, wenn ich Heim komme?  Essen, Gameboy spielen (runterkommen eben...), mich verkriechen, schlafen…sehr selten schaffe ich es, noch etwas Produktives zu machen, da ich automatisch irgendwie nach Ausreden suche...

   

Fotoproblematik

Es gibt Tage (und dazu gehören irgendwie die meisten…), an denen ich einfach nicht fähig bin, Fotos zu machen. Das versteht kein Mensch. Alle sagen mir, ich soll einfach fotografieren. 'Klick, klick, ist ja ganz easy!' Sie verstehen aber „einfach“ nicht die Gedanken, die mich zum Weglaufen bewegen und den Auslöser blockieren. Sie verstehen nicht, dass ich das alles nicht so leicht abstellen kann, weil ich Angst vor dem Ergebnis habe und mittlerweile weiß, wann es sinnlos ist, Fotos zu machen: Nämlich wenn ich angeschlagen bin und mein Selbstwertgefühl sowieso schon niedrig ist. Ich kann einfach nicht von mir und meinem Können überzeugt sein, denn das ist arrogant und macht man nicht!! Es ist ein Selbstschutz, dann einfach wegzulaufen und Ausreden zu suchen, weil ich mich der Kritik in den Worten (und Gedanken) der anderen nicht gewachsen fühle. Sie sagen wohl nichts Böses, aber ich oder besser gesagt...etwas in mir will das nun mal so heraushören. Und bevor ich mir das antue, renne ich weg...verkrieche mich unter meiner Kapuze und sehe niemandem in die Augen...aus Angst.

Meine Therapeutin hat gemeint, ich solle mal rausgehen und knipsen. Ich war draußen, habe es aber nicht geschafft. Mit wurde zu heiß, ich fühlte mich so nackt und beobachtet und einfach furchtbar.

Am Montag jedoch habe ich das mit dem Knipsen geschafft. Meine Klasse war in Frankreich und die wenigsten hatten irgendwie ihre Kamera dabei – ich schon. Und es mag jetzt arrogant klingen, aber ich habe mich hinterher einfach „besser“ und vorbereiteter gefühlt und mir gefallen auch die Bilder, die ich gemacht habe, weil keiner sie gemacht hat und machen konnte. Ist das vielleicht eine verdrängte Seite von mir? Ich finde diese Denkweise von mir furchtbar…ich fühle mich total gemein und...wie...alle Fotografen, die nur um ihren eigenen Vorteil bemüht sind (denn schließlich bekommen sie ja Geld dafür). Ich fühle mich wie jene, die anderen den letzten Rest Fleisch von den Knochen ritzen, weil sie ja so mies sind und man sich dann besser fühlt, wenn man die Fehler des anderen erkennt, es natürlich richtig und besser hinbekommt und hinter dessen Rücken darüber herziehen kann.

 

Mein größtes Problem momentan ist daher eigentlich die gesamte Welt um mich herum. Die Wirtschaft, die Politik, das Arbeitsleben. Jetzt habe ich Glück, ich bin Azubi, auf mich wird Rücksicht genommen, ich arbeite zusammen mit extrem netten Menschen, die meine Krankheiten und Eigenarten kennen und akzeptieren. Aber was kommt danach? Ich merke ja schon jetzt, dass die Welt anders ist und nicht im selben Takt schlägt wie ich. Sie schlägt schnell und hart zu. Wo ich hinsehe, regieren Geld und Macht und ein Standard, in den ich nicht reinpasse. Es ist zum verrückt werden! Ich weiß einfach nicht, wie ich später überleben soll?! Ich fühle mich so anders, so nett und naiv in dieser Welt, in der Konkurrenzkampf und gegenseitiges Niedermachen normal sind, um zu überleben.

 

Eigentlich will ich gerade so nicht sein (auch wenn das wohl tief in mir steckt)…ich will nicht arbeiten…und zwar nicht aus Faulheit, sondern weil ich einfach mit der Welt nicht klar komme…

Ich meine, ich liebe meinen Job, bin froh über die 300 € im Monat und die Schule und dass ich so viel Neues lerne (auch wenn es mir oft sehr schwer fällt). Aber ich will nicht mit dem, was ich habe, Geld verdienen müssen, damit ich nicht untergehe. Ich will nicht die Angst haben, jederzeit rausgeworfen werden zu können, Pleite zu gehen, beraubt und hintergangen zu werden...

Ich will einfach Sicherheit…ich will fotografieren, ohne Angst vor anderen zu haben…

Ich will Kunst schaffen, weil sie subjektiv bewertbar ist und niemals jedem gefallen wird...

Und ich will das akzeptieren können...

Aber ich weiß, dass ich davon nicht leben kann. 


Ich weiß nicht, was ich will; bin verwirrt...es wird Zeit für meine Pillen... 

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