Journey...Alles-und-Nichts

10000 % Druck

16. November 2012, 18:41pm

Veröffentlicht von Journey

Ich bin froh, am Mittwoch endlich wieder einen Termin bei meiner Psychologin zu haben, denn ich merke, wie in und um mich herum alles so furchtbar viel und schrecklich wird und dass das Monster in mir, das Böse wieder an meinen Haaren reißt und mich auf den Boden knallen lässt.

 

Der Grund?

Ich glaube daran, dass ich eine Versagerin bin. Andere sind der Meinung, ich kann damit einfach auf Knopfdruck aufhören, aber ich versuche es doch…nur es funktioniert einfach nicht. Jedes Mal, wenn ich aufstehe und für etwas kämpfen will, bin ich zuerst motiviert und „rede mir ein“, dass ich es schaffen kann, aber dann kommt ein kleines Stimmchen in mir hoch, setzt sich durch und ich stelle mir nach und nach selbst ein Bein, weil ich doch eigentlich nicht daran glaube, dass ich es schaffe…da spielt so vieles mit wie Selbsthass, Wertlosigkeitsgefühle und Angst. Wie kann man das auf Knopfdruck abschalten?

 

Die Menschen außen sehen das nicht. Die denken, es läuft alles ganz gut und das in meinem Kopf ist quatsch und ich rede mir eher das Negative ein. Vielleicht haben sie ja recht…aber die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht und mich verwirrt mein Denken und Handeln nur noch. Angefangen hat das, als ich auf den Arm gefallen bin, bzw. ist es da ausgebrochen.  Als hätte nur jemand in mir darauf gewartet, um dann zu sagen: Haha, was bist du denn für eine Idiotin. 'Fällst einfach hin!' Ich muss dir gar nicht das Leben versauen, das schaffst du ganz alleine! Wie früher, du krankes Kind, hahaha.

 

Ihr findet das komisch? Für mich ist diese „Stimme“, dieses Gefühl, das Monster in mir einfach Alltag. Es wartet und sucht und findet…ich bin nur das Spielzeug, das von einer in die andere Ecke fliegt. Ich bin die, die gegen ihren Willen handeln muss mit dem Ziel, sich im Nachhinein schlecht zu fühlen und sich zu bestrafen, weil sie „es verdient hat“.

Früher war das Ritzen, heute sind es Schläge, Bisse, Kniffe. Nur leicht, aber so, dass es mich auf andere Gedanken bringt. Man will den Schmerz spüren, um nicht an den Rest denken zu müssen.

 

Es ist krank und wird immer kränker. Ich mache mir Druck und hasse mich dafür, dass ich nicht einfach mal schnell 10000 % gebe. Aber warum will ich das? Warum erwarte ich das von mir? Die anderen sind doch auch nicht perfekt! Aber sie scheinen so… Warum setze ich dann die Messlatte bei mir so hoch? Weil ich mir ein Fehlverhalten nicht verzeihe und auch nicht annehme, dass das andere tun? Genau...die anderen...was denken sie eigenltlich über mich? Sehen sie mich wirklich so, wie ich mich sehe? ...warum ist das so wichtig, was sie denken? Warum mache ich mich abhängig von ihren möglichen Gedanken? ...

 

 

Mein Freund Mr. Chocolate ist auch schon genervt davon, dass ich immer denke, dass ich etwas falsch mache. Aber es kommt mir wirklich so vor. Das ist wie deutsch sprechen, darüber denkt man nicht vorher nach, das kommt automatisch. Mein Ohr hört also automatisch in den Aussagen von ihm, dass ich falsch bin, falsches tue...und das ist für eine Beziehung nicht gerade förderlich…Ich traue mich aus diesem Grund auch schon gar nicht mehr, irgendetwas zu machen oder zu sagen und habe Angst, selbstständig zu handeln.

 

Unser Verhältnis ist, seitdem wir zusammengezogen sind, also eher kühl. Ich bin ja nie da und wenn ich da bin, machen wir auch nichts zusammen, können ja nicht einmal miteinander reden. Denn oft antwortet er gar nicht auf Fragen, da er annimmt, dass ich durch logisches Denken selbst darauf kommen sollte. Oder weil er die Frage schon einmal beantwortet hat, was ich wiederum nicht mehr weiß/ einfach vergessen habe.

Er antwortet aber auch nicht, wenn er weiß, wohin das führt. Es könnte mich nämlich verletzten und mich dazu bringen, mir Vorwürfe zu machen.

 

Er kümmert sich zwar um mich, aber das ist ja nicht der Sinn einer Beziehung…jedenfalls nicht in diesem Ausmaß...denn er meint sogar schon, dass er für zwei denken muss durch mein vergessen, meine Depression, meine geringe Lebenserfahrung,... Ich will das ändern, mich nützlich machen, nur leider habe ich nicht die Kraft, auch etwas zu machen, z.B. ihm beim Wände streichen zu helfen. Ich habe einfach nicht die Kraft, meinen Alltag zu bewältigen und dann noch beziehungstechnische Verpflichtungen einzugehen, die man für das Funktionieren einer Beziehung aber eingehen sollte.


Ich fühle mich wie ein altes Gebäude, dessen Fassade Stück für Stück abblättert.

 

Ich hatte die Hoffnung, dass Ritalin mir hilft, mich zu organisieren, aber diese Option ist gestrichen. Und mit ihr auch die Hoffnung auf Besserung.

 

Ich fühle mich so wirr und weiß einfach nicht mehr, was ich denken soll…

 

 


 

 

 

 

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Schokokäse 12/18/2012 10:43

Oh :-( Nein, ich finde das nicht komisch. Gedanken über die Gedanken der anderen kenne ich zwar auch, wenn auch zum Glück nicht in dem Maße. Aber schon hin und wieder in den eigenen Aktivitäten
einschränkend. So habe ich nun auch keine Fotos mit den lebensgroßen Plüschaufstellern von Pu der Bär und dem Grüffelo. Sicher, das sind nur Nichtigkeiten im Vergleich. Aber ich möchte damit auch
nur sagen, dass ich das in gewisser Weise nachvollziehen kann, wenn ich mir vorstelle, wie sich das in stärkerem Maße vor allem im normalen Alltag auswirken würde. Ich wünsche dir auf jeden Fall
viel Erfolg bei der weiteren Bewältigung des Alltags und dem Entwirren deiner Psyche.

Journey 12/23/2012 10:28



Vielen Dank, Schoko!


Aber was meinst du mit Fotos von lebensgroßen Plüschaufstelern?



Herr Fe 11/16/2012 21:56


Mir brennt eine Frage unter den Nägeln:


 


Gibt es neben den sicher zahlreichen Leuten, die dir gut zuzusprechen versuchen auch solche, die dich in deinen Zweifeln bestätigen?


Oder stehst du allein mit deinen Ansichten gegen dich?


Und noch interessanter ist die Frage: War die Post endlich bei dir? Wird wohl noch eine Weihnachtssendung werden...


Naja, und ansonsten beste Grüße und so, wa?


 


Gruß, der Fe

Journey 11/25/2012 01:21



Mit den Zweifeln bei mir ist das so eine Sache...die Bestätigung meines negativen Selbstbilds sehe und fühle ich oft in der Mimik, Gestik und den Worten meiner Mitmenschen, auch wenn sie gar
nicht da ist..


Und das gut zusprechen funktioniert wohl nicht so einfach. Ich kann nämlich nicht nur von der Anerkennung anderer leben, ich muss selbst lernen, das, was ich tue, anzuerkennen...nur ist das
leider sau schwer. : /


 


Und das Päckchen ist angekommen. Zu lieb von dir! : )