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Pfandflaschenproblematik

8. Februar 2016, 06:06am

Veröffentlicht von Journey

Pfandflaschen sind aus psychologischer Sicht wirklich ein äußerst interessantes Phänomen. Mir ist das vorher noch nie so wirklich aufgefallen, aber da ich den Kram ja jetzt selbst wegschaffen muss und nach wie vor kein Auto fahre, baut sich mit jeder neuen Flasche ein immer größeres zu bewältigendes Problem auf.

Mein damaliger Psychologielehrer warf mal die Idee in den Raum, dass man sich solche Dinge wie Pfandflaschen immer an die Tür stellen soll, damit man sie immer sieht, wenn man das Haus verlässt. Dadurch sollten sie nicht in Vergessenheit geraten und sich zu unbezwingbaren Massen anhäufen. Dumm war nur, dass ich irgendwann nicht mehr aus der Wohnung kam. Hatten wir beide wohl so nicht bedacht. Damals habe ich aber auch alleine gewohnt und es auch irgendwie hinbekommen. Ich brauche nur noch ein System…

 

Und während ich mir eines aus den Fingern zaubere, mache ich mir mal Gedanken um meine Mitmenschen und wie die das alle bewältigen. Pfandflaschen wegbringen scheint wohl eine Wissenschaft für sich und so immens komplex zu sein, dass es sogar Anleitungen auf YouTube gibt.

Das meine ich jetzt nicht böse, es ermutigt mich zugegebenermaßen eher.

Den Pfandflaschenwegbringer an sich gibt es ja eher nicht, dazu sind die Menschen zu verschieden. Wenn man die unterschiedlichen Arten jedoch grob unterteilt, gliedert sich das folgendermaßen:

Der Pfandflaschenhustler

Er ist der wohl bekannteste Wegbringer. Oft wird er auch als „Penner“ bezeichnet, wobei ich das eher abwertend finde, da der Kerl (gibt’s eigentlich -hustlerInnen??) damit seine Kohle verdient und das Suchen und Wegbringen von Pfandflaschen auch enorm viel abverlangt, besonders Mut.

Man trifft ihn nicht, er trifft einen. Oft an Bahnhöfen oder in Zügen. Er ist sehr ehrgeizig und mathematisch nicht ganz ungeschickt. Er weiß genau, dass die Dose in deiner Hand 25 cent bringt und dass ihm noch 50 cent zur nächsten runden Zahl fehlen

Quelle: welt.de

Quelle: welt.de

Der Sammler

Diese Art sammelt so lange die Pfandflaschen bei sich, bis sich das Wegbringen auch „lohnt“. Er erntet dafür Beträge im zweistelligen Bereich und erfreut sich beim nächsten Kauf der Getränke daran.

Er gliedert sich wiederum in zwei Arten:

1. Der „Automatenjongleur“, der mit seinem Berg vor einem steht und jede Flasche einzeln ansieht und mit Bedacht so reinlegt, damit der Automat das Symbol gleich erkennt. Seine Technik provoziert oft seine Mitmenschen, die blind alles in den Automaten stopfen wollen. Ihn freut's.

2. Der „Abgeber“, der im Fristo vorne seinen Wagen abgibt und sich derweil nach neuen Getränken umsieht. Die Mitarbeiter fühlen sich dadurch entschädigt, dass er zumindest wieder genau so viele neue Getränke einkauft. Hin und wieder wird er jedoch darauf hingewiesen, dass eigentlich die haushaltsübliche Menge überschritten wurde.

Der Sammler ist immer auch ein Autofahrer, denn ansonsten könnte er das alles nicht bewältigen.

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Der faule Hund

An ihm verdienen Aldi und Co ihr Geld, denn er wirft einfach Pfand in den Müll und kassiert es niemals wieder bei denen ein. Ob er sich darüber im Klaren ist, ist fraglich. Vielleicht wendet er sich geistig einfach wichtigeren Dingen zu und wirft zerstreut einfach alles in den Müll, was ihm in die Finger kommt. Ihn scheint es allerdings nicht zu stören, wenn andere das wieder aus dem Müll holen. Mit Pfandwegbringen an sich hat er nämlich kein Problem. Er braucht nur jemand, der ihm das zur Seite legt.

Der Psycho

Er sammelt auch Pfand, hat jedoch kein Auto oder große Probleme...oder beides. Mit zunehmendem Pfandflaschenberg wird er immer nervöser. Eigentlich könnte er ja immer wieder was mitnhemen, abgeben und mit dem Einkauf verrechnen. Aber dann müsste er ja mit dem Pfand vor die Tür. Und das Pfand abgeben. Und einkaufen!

Jeder mit Auto bietet ihm gerne seine Hilfe an, doch er lehnt alles ab und will das selbst schaffen. Letztendlich holt man ihn halb verdurstet unter seinem Pfandberg hervor und er folgt einem schweigend, entkräftet und beschämt dankbar zum Auto. Mit einem immernoch vorhandenen inneren Widerwillen fährt man mit ihm zum nächsten Laden zum Pfand abgeben und einkaufen. Doch wer meint, er hätte daraus gelernt, der irrt. Er schämt sich natürlich in Grund und Boden vor seinem Bekannten und vor allen anderen, die alleine ihr Pfand abgeben können und denkt sich: Das nächste Mal schaffe ich das alleine! (Natürlich schafft er das nie...)

 

So, und wie ich es jetzt mache, weiß ich immer noch nicht. Ich bin natürlich der Psycho, gebe aber noch nicht auf!

Ich denke, ich werde versuchshalber mal mit einer Flasche anfangen, damit ich überhaupt weiß, wo was wie geht. Im Netto zum Beispiel muss man Pfandflaschen an der Kasse abgeben, in dem einem Fristo neben der Kasse, im Edeka weiß ich es nicht, da dort ein anderer Fristo mit Automaten nebendran ist. Fraglich ist auch, ob die Pfandbelege dann im Edeka nebenan genommen werden oder nicht...

Besser ist es also, wenn ich erst mal eine Flasche wegbringe....für die Zukunft muss ich mir dann was überlegen. Vermutlich wird das darauf hinauslaufen, dass ich das immer im Netto machen muss, da das der einzige Laden ist, der vor 8 Uhr aufmacht und um 8 Uhr kommt mein Bus, der direkt davor hält. 

Blöd ist nur, dass ich eigentlich immer abends nach der Arbeit einkaufe und ich für mein Gewissen dann das Pfand durch die Gegend karren müsste...denn in einen Laden zu gehen, nur Pfandgeld zu kassieren und nichts zu kaufen schaffe ich glaube ich nicht. Und jedesmal was zu kaufen wäre zu umständlich.

Da muss ich mir echt überlegen, was unangenehmer ist: Solche Aktionen oder enfach einen Bekannten bitten, mich mit meinem Pfand irgendwo abzusetzen, wo ich auch was kaufe. Die Person muss dann ja nicht ihre wertvolle Zeit mit Warten verschwenden, denn heim finde ich alleine...und der Vorteil wäre, dass dann alles auf einmal weg wäre, was meine private Buchhaltung auch leichter kalkulierbar machen würde

 

Wie ich das mit dem Nachkaufen von Getränken mache, weiß ich auch noch nicht. Meine Mum will das mit mir machen, mein Chef ebenfalls. Aber ich will weder meine Mum mit Rumfahren belasten noch meinen Chef und bei mir sind das immer so spezielle Sachen wie Punica, was es nicht überall im Sixpack und im Angebot gibt. Was ist also, wenn ich faules Stück mich da hinkutschieren lasse und dann gibt's das da nicht? "Dann fährste halt woanders hin", denken jetzt vermutlich alle... aber wohin? Das muss ich mir vorher alles genau überlegen...

 

Wenn ich es mir so recht überlege...bin ich mit meinen Gedankengängen echt ärmer dran als der Pfandflaschenhustler...aber wie gesagt/geschrieben: Ich gebe noch nicht auf! Immerhin schaffe ich das mit dem Einkaufen alle zwei-drei Tage. Die nächste Hürde ist das Pfand, dann kommen Getränke, dann das Besorgen von Tiefkühlkost wie Pizza und Eis in der Tiefkühltasche...und im Sommer dann das herumtragen meiner quietschbunten Tiefkühlbox mit x blauen Tiefkühlementen, die ich bei meinem Chef irgendwie einlagern werde. Das wird zwar alles ein Act, aber ist mir 10000 Mal lieber, als einen Großeinkauf mit irgendwem, der mich fährt. Denn einkaufen will ich alleine. Andere stressen und hetzen mich jedes Mal. Egal ob sie nun Zeug in meinen Einkaufswagen legen, das ich nicht will, oder schweigend neben mir stehen oder nur im Auto warten. Ich brauche meine Zeit und die kann ich mir nur nehmen, wenn ich weiß, dass ich niemanden aufhalte.

Pfandflaschenproblematik

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Lilith 03/02/2016 19:40

Ich selbst habe neulich darüber nachgedacht, mir so ein lustiges "Sprudel MAX" Gerät zuzulegen.
Für mich ist dabei nicht das Wegbringen der Pfandflaschen das Problem, sondern eher das einkaufen neuer Getränke. Eine Zeit lang habe ich mir die Sixpacks Wasser und Co von den Männern hoch tragen lassen... mittlerweile möchte ich jedoch nicht immer fragen. Einzelne Flaschen kaufen finde ich aber höchst nervig und uneffektiv... und selbst größere Sixpacks Getränke die Treppen hinauf zu bringen sorgt bei mir derzeit leider für starke unangenehme körperliche Nebenwirkungen.
Außerdem kommt es aufgrund meines Tagesrhytmus derzeit auch oft vor, dass ich einfach nicht zum einkaufen komme und dann Zuhause auf dem Trockenen sitze.

Mit so einem Gerät wären aber alle drei Probleme auf einmal erledigt...

Journey 06/21/2016 08:57

Aaah...hab ganz vergessen zu antworten o.o Aber du kennst das ja... >_
Mittlerweile habe ich mein Pfandproblem gelöst. Ich habe herausgefunden, dass der Penny bei ums um 7:30 Uhr aufmacht und bin dann vor der Arbeit immer hin und hab das nach und nach abgearbeitet mithilfe einer coolen schwarzen Tasche, auf der vorne "Humanic" steht. Weil Pfand wegbringen ja so menschlich ist xD
Hab aber wieder ein neues Problem. Was sollte man als Mensch so trinken? O.o Bisher habe ich fast nur Punica getrunken, mittlerweile trinke ich auch mehr Wasser, weil Punica gerade sehr selten im Angebot ist und mir das zum Normalpreis zu teuer ist.
Lustig, dass Fe auch schon die Idee mit dem Gerät hatte wie du. xD
Wie handhabst du das denn nun?

Liebe Grüße aus dem Black Forest!
Journey

Herr Fe 02/08/2016 18:54

Liebe Dame,

es ist mir unbegreiflich und fasziniert mich immer aufs neue, aus welchen verborgenen Winkeln du diese Themen ziehst, über die man sich selbst so noch nie Gedanken gemacht hat.

Ich habe noch eine Idee für dich, wenn es dir nicht ums Geld, sondern um den psychologischen Effekt geht: Ebay Kleinanzeigen. Stell deine gesammelten Flaschen regelmäßig als zu verschenken rein, irgendwer wird sie bestimmt brauchen. So tust du etwas Gutes und bist gleichzeitig sowohl den "Druck" als auch den Aufwand los.

Ich weiß, das ist schon wieder einen Tick zu männlich gedacht, Probleme lösen und so, aber vielleicht hilft dir der Ansatz ja.

Besteste Grüße aus der Nazi-Hochburg Dresden

Journey 02/09/2016 06:38

Werter Herr,

ich vermute das haben Psychos so an sich..der Blickwinkel ist einfach ein anderer. Das kann manchmal faszinierend und aufregend sein, oft aber einfach nur aufregend.
Verschenken will ich die Pfandflaschen jedenfalls nicht, denn ich habe ja dafür gezahlt. Und eBay-Kleinanzeigen wäre ja ein noch viel größerer Act! Wenn ich es schaffen würde, irgendetwas über eBAy-Kleinanzeigen loszuwerden, dann wäre meine Wohnung nicht so unermesslich vollgestopft. .__. Wobei die wiederum jedem normalen Menschen wahrschienlich total leer vorkommt...
Ich bin jetzt mal wieder einen Tick zu "Journey" und sage: Nein, mir hilft auch dieser Ansatz nicht. ; )

Beste Grüße aus dem Black Forest von der absolut unpolitischen Journey

PS: Ich würde mit dieser Bezeichnung von Dresden nicht so hausieren gehen, denn jemand, der dich nicht kennt, könnte das falsch auffassen.